Kurz gesagt: Eine gute Ausschreibung für eine Fluchttreppe oder einen Treppenturm aus Stahl legt Geometrie, Lasten, Ausführungsklasse, Korrosionsschutz und Schnittstellen eindeutig fest. Dann sind die Angebote vergleichbar, Nachträge bleiben die Ausnahme und die Treppe passt am Ende zur Genehmigung. Die folgende Checkliste hilft Architekten, Brandschutzplanern und öffentlichen Auftraggebern beim Aufstellen des Leistungsverzeichnisses.
Grundlagen, die vor der Ausschreibung stehen sollten
- Rettungswegkonzept: genehmigt oder abgestimmt, mit Lage der Austrittsstellen und Personenzahl je Geschoss
- Gebäudeklasse und Nutzung: davon hängen Anforderungen an Baustoffe, Breiten und gegebenenfalls Sonderbauregeln ab
- Bestandsaufnahme: Geschosshöhen, Fassadenaufbau, Tragfähigkeit der Wand, Lage von Fenstern, Leitungen und Bäumen
- Baugrund: Angaben für die Fundamente oder ein Bodengutachten
Checkliste für das Leistungsverzeichnis
Geometrie und Bauart
- Bauart: gerade Treppe, zweiläufig mit Zwischenpodest, Spindeltreppe oder freistehender Treppenturm
- Anzahl der Geschosse, Geschosshöhen und Austrittspodeste
- Nutzbare Laufbreite und Podestgrößen, abgestimmt auf Personenzahl und Türaufschlag
- Steigungsverhältnis nach DIN 18065 und den Anforderungen der Landesbauordnung
- Anschluss an das Gebäude: wandgestützt, teilweise gestützt oder selbsttragend
Lasten und Statik
- Nutzlasten nach DIN EN 1991-1-1 mit nationalem Anhang, Schnee- und Windlasten am Standort
- Wer liefert die Statik: der Planer, der Auftragnehmer im Rahmen der Werkplanung, mit Prüfstatik oder ohne
- Angaben zur Tragfähigkeit der Fassade bei wandgestützten Lösungen
Ausführungsklasse und Normen
- Ausführungsklasse nach DIN EN 1090-2, bei Treppen und Treppentürmen in der Regel EXC 2. Mehr dazu im Beitrag EXC 2 und EXC 3.
- Nachweis der Zertifizierung des Herstellers nach DIN EN 1090 und CE-Kennzeichnung der tragenden Bauteile. Siehe CE-Kennzeichnung bei tragenden Stahlbauteilen.
- Bei öffentlichen Aufträgen Bezug auf VOB/C, für Metallbauarbeiten DIN 18360, für Stahlbauarbeiten DIN 18335
Stufen, Podeste und Geländer
- Stufenart: Gitterrost, Tränenblech oder Lochblech, mit Angabe der geforderten Rutschhemmung und Maschenweite. Siehe Gitterrost, Tränenblech oder Lochblech.
- Geländerhöhe und Füllung nach Landesbauordnung, bei Kindern im Gebäude mit Anforderungen gegen Überklettern. Siehe Geländerhöhe: was die Vorschriften verlangen.
- Handläufe ein- oder beidseitig, Form und Durchmesser
- Tür oder Tor am Treppenfuß, falls der Zugang von außen gesichert werden soll
Korrosionsschutz und Optik
- Feuerverzinkung nach DIN EN ISO 1461, Korrosivitätskategorie des Standorts nach DIN EN ISO 14713. Siehe Feuerverzinken.
- Optional Duplex-Beschichtung mit Farbton. Siehe Duplex-Beschichtung.
Schnittstellen und Abgrenzung der Gewerke
- Fundamente: wer plant und erstellt sie, wer liefert Ankerplatten oder Ankerkörbe
- Fassadenanschluss: Durchdringung von Wärmedämmverbundsystemen, thermische Trennung, Abdichtung
- Fluchttüren, Beschläge, Sicherheitsbeleuchtung und Kennzeichnung: in der Regel andere Gewerke
- Blitzschutz und Erdung der Stahlkonstruktion
- Montagebedingungen: Zufahrt, Kranstellfläche, Arbeiten im laufenden Betrieb, Sicherung des bestehenden Rettungswegs
Leistungen des Auftragnehmers
- Aufmaß vor Ort, Werk- und Montageplanung zur Freigabe
- Fertigung, Transport, Montage einschließlich Hebezeug
- Dokumentation: Leistungserklärung, CE-Kennzeichnung, Prüfprotokolle, Bestandspläne
Typische Fehler in Ausschreibungen
- Keine Ausführungsklasse angegeben, obwohl DIN EN 1090-2 sie verlangt
- Fundamente und Fassadenanschluss keinem Gewerk zugeordnet
- Geschosshöhen aus alten Plänen übernommen, ohne Aufmaß vor Ort
- Laufbreite nicht auf die Personenzahl des Rettungswegkonzepts abgestimmt
- Korrosionsschutz nur als „verzinkt“ beschrieben, ohne Verfahren und Norm
Gern beraten wir Planer schon vor der Ausschreibung zu Bauart, Anschlüssen und Montage. Wie eine Fluchttreppe im Bestand von der Planung bis zur Montage entsteht, beschreibt der Beitrag Fluchttreppe im Bestand nachrüsten. Für freistehende Lösungen siehe Treppenturm aus Stahl.
Häufige Fragen
Welche Ausführungsklasse gilt für eine Fluchttreppe?
Die Ausführungsklasse legt der Planer nach DIN EN 1090-2 fest. Für Treppen und Treppentürme ist in der Regel EXC 2 üblich.
Wer macht die Fundamente?
Das sollte die Ausschreibung eindeutig regeln. Häufig erstellt der Rohbauer die Fundamente, der Metallbauer liefert Ankerplatten oder Ankerkörbe und die Angaben dazu.
Muss die Statik in der Ausschreibung schon vorliegen?
Nicht zwingend. Sie kann auch Teil der Werkplanung des Auftragnehmers sein. Wichtig ist, dass klar geregelt ist, wer sie liefert und ob eine Prüfstatik nötig ist.
Welche Unterlagen bekommt der Bauherr nach der Montage?
Üblich sind Leistungserklärung und CE-Kennzeichnung nach DIN EN 1090, Prüfprotokolle und Bestandspläne der Konstruktion.
Fluchttreppen aus der Region: RICHTER Metallbau
RICHTER Metallbau ist ein inhabergeführter Familienbetrieb aus Hagen a.T.W. bei Osnabrück, seit 1994 im Metallbau tätig und zertifiziert nach DIN EN 1090. Wir planen, fertigen und montieren außenliegende Fluchttreppen und Treppentürme aus Stahl, feuerverzinkt und auf Wunsch pulverbeschichtet: Werkplanung nach Ihren Architekten- und Statikvorgaben, Fertigung in der eigenen Halle, Montage mit eigenem Personal im Umkreis von rund 200 km um Osnabrück. Am schnellsten geht ein Angebot, wenn Sie Pläne oder Leistungsverzeichnis mitschicken.
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Quellen
- Musterbauordnung (MBO), zuletzt geändert 23./24.11.2023
- bauforumstahl: CE-Kennzeichnung nach EN 1090
- Institut Feuerverzinken: Arbeitsblatt DIN EN ISO 14713
- BauNetz Wissen: Treppenlauf
- BauNetz Wissen: Brandschutzanforderungen für Flucht- und Rettungswege
Stand: 03.11.2026




