Kurz gesagt: Ein Duplex-System ist eine Feuerverzinkung nach DIN EN ISO 1461 mit einer zusätzlichen organischen Beschichtung, meist einer Pulverbeschichtung. Beide Schichten schützen sich gegenseitig, sodass die Schutzdauer nach Angaben des Instituts Feuerverzinken je nach System das 1,2- bis 2,5-Fache der Summe beider Einzelschutzdauern erreicht. Gleichzeitig lässt sich der Stahl in nahezu jeder Farbe ausführen.

Was ist ein Duplex-System?

Der Begriff beschreibt die Kombination aus zwei Korrosionsschutzverfahren: einem metallischen Zinküberzug und einer organischen Beschichtung darüber. Definiert wird er unter anderem in DIN 55633. Die Beschichtung kann als Pulver eingebrannt oder als Flüssiglack (Nassbeschichtung) aufgetragen werden.

Typische Anwendungen sind Bauteile, die farbig sein sollen und lange im Freien stehen: Geländer, Treppen, Balkone, Tore, Zäune, Vordächer und Fassadenelemente. Auch Kennzeichnungen mit Signalfarben sind möglich, ohne auf den Schutz der Verzinkung zu verzichten.

Warum hält Verzinken plus Beschichten länger?

Die Beschichtung schützt den Zinküberzug vor Witterung und chemischen Einflüssen. Dadurch wird weniger Zink abgetragen. Umgekehrt schützt das Zink den Stahl an Stellen, an denen die Beschichtung beschädigt ist. Kleinere Schäden führen deshalb nicht zu den typischen Unterrostungen, die man von lackiertem Stahl ohne Verzinkung kennt.

Aus diesem Zusammenwirken ergibt sich der sogenannte Synergieeffekt. Das Institut Feuerverzinken nennt einen Faktor von 1,2 bis 2,5 auf die Summe der Einzelschutzdauern, Baunetz Wissen gibt die gleiche Spanne an. Wie lange die Feuerverzinkung allein hält, erklärt der Beitrag Feuerverzinken: wie es funktioniert und wie lange es schützt.

Pulverbeschichtung oder Nasslack auf Zink?

Beide Verfahren sind für feuerverzinkten Stahl geeignet, wenn der Beschichtungsstoff dafür freigegeben ist. Die Unterschiede liegen vor allem in Ort und Art der Verarbeitung:

Merkmal Pulverbeschichtung Nassbeschichtung
Verarbeitung nur im Werk, durch Sprühen, anschließend Einbrennen meist bei etwa 150 bis 220 °C im Werk oder auf der Baustelle, durch Spritzen, Rollen oder Streichen
Wichtige Regelwerke DIN 55633-1 (Ausgabe 2021-03), DIN EN 15773 (Ausgabe 2018-01) DIN EN ISO 12944, insbesondere Teil 5
Ausbesserung Montageschäden werden in der Regel mit geeignetem Flüssiglack ausgebessert meist problemlos vor Ort möglich
Typischer Einsatz Serienteile, Geländer, Tore, Bauteile mit hohen optischen Ansprüchen große Bauteile, Bestand, spätere Farbänderung

Für neue Konstruktionen empfiehlt das Institut Feuerverzinken die Beschichtung im Fachbetrieb unter kontrollierten Bedingungen. Zinküberzüge, die kurz nach dem Verzinken werksseitig beschichtet werden, brauchen oft nur eine sorgfältige Reinigung.

Wie wird der Zinküberzug für die Beschichtung vorbereitet?

Die Haftung der Beschichtung auf dem Zink ist der entscheidende Punkt eines Duplex-Systems. Nach den Arbeitsblättern des Instituts Feuerverzinken gilt:

  • Das Beschichtungsunternehmen prüft Zustand und Eignung des Zinküberzugs und ist für die Vorbereitung verantwortlich.
  • Weißrost, Schmutz, Öl, Fett und Salze müssen vor dem Beschichten entfernt werden.
  • Als Vorbehandlung kommen Sweep-Strahlen, Zinkphosphatierung oder Chromatierung in Frage. Beim Sweep-Strahlen wird die Oberfläche mit nichtmetallischen Strahlmitteln sanft gereinigt und angeraut. Danach soll sie einheitlich matt aussehen.
  • Bei Nassbeschichtung ist, sofern nichts anderes festgelegt ist, mindestens ein Sweep-Strahlen vorgesehen.
  • Der Hersteller des Beschichtungsstoffs muss die Eignung für feuerverzinkten Stahl im technischen Datenblatt ausdrücklich bestätigen. Die Stoffe eines Systems sollten möglichst vom selben Hersteller stammen.

Welche Schutzdauer kann man festlegen?

Für die Beschichtung selbst werden Schutzdauerklassen vereinbart. DIN EN ISO 12944-1 (Ausgabe 2018) für Flüssigbeschichtungen und DIN 55633-1 für Pulverbeschichtungen nennen diese Stufen:

Klasse Schutzdauer der Beschichtung
niedrig (L) bis 7 Jahre
mittel (M) über 7 bis 15 Jahre
hoch (H) über 15 bis 25 Jahre
sehr hoch (VH) über 25 Jahre

Wichtig: Diese Angabe bezieht sich nur auf die Beschichtung und ihre Haftung auf dem Zink, nicht auf die Feuerverzinkung. Das Gesamtsystem schützt den Stahl deutlich länger. Die Schutzdauer ist außerdem keine Garantiezeit. Welches Schadensausmaß bis zur ersten Instandsetzung zulässig ist, sollte vertraglich vereinbart werden.

Was sollten Sie bei der Bestellung festlegen?

  • Dass ein Duplex-System gewünscht ist, und zwar schon bei der Anfrage an die Verzinkerei. Sie darf keine Nachbehandlung vornehmen, die die Haftung der Beschichtung stört, und sollte die vorgesehene Ausbesserung mitteilen.
  • Ob ein Feinverputzen der Zinkoberfläche gewünscht ist, etwa bei hohen optischen Ansprüchen. Das ist nicht durch DIN EN ISO 1461 abgedeckt und muss gesondert vereinbart werden.
  • Farbton, Glanzgrad und Struktur der Beschichtung.
  • Die gewünschte Schutzdauerklasse und die Korrosionsbelastung am Einbauort.
  • Wer Transport- und Montageschäden ausbessert und mit welchem Material.
  • Eine verzinkungsgerechte Konstruktion, zum Beispiel mit Öffnungen an Hohlprofilen und dicht verschweißten Überlappungen. Hinweise dazu finden Sie im Beitrag Stahlgeländer aus Flachstahl.

Wovon hängen die Kosten ab?

Konkrete Preise hängen stark vom Einzelfall ab. Kostentreiber sind vor allem das Gewicht und die Geometrie der Teile, die Zahl der Arbeitsschritte (Verzinken, Vorbehandlung, Beschichten), Transporte zwischen den Betrieben, Sonderfarben sowie optische Anforderungen wie Feinverputzen. Mehr zur Preisbildung beim Verzinken lesen Sie in Feuerverzinken: wovon der Preis pro Kilogramm abhängt.

Häufige Fragen

Lohnt sich ein Duplex-System für ein Geländer am Wohnhaus?

Wenn ein Farbton gewünscht ist, ja. Eine reine Lackierung auf Stahl ohne Verzinkung unterrostet bei Beschädigungen. Beim Duplex-System schützt das Zink darunter weiter. Wer mit dem grauen Zinkton leben kann, kommt auch mit Feuerverzinkung allein aus.

Kann man feuerverzinkten Stahl auch Jahre später noch beschichten?

Ja, die Beschichtung kann auch nachträglich und vor Ort aufgebracht werden, meist als Nassbeschichtung. Dann sind Weißrost und Verunreinigungen gründlich zu entfernen, und die Oberfläche muss entsprechend vorbereitet werden.

Welche Norm gilt für die Pulverbeschichtung auf verzinktem Stahl?

Maßgeblich sind DIN EN 15773 für die industrielle Pulverbeschichtung von feuerverzinkten Teilen und DIN 55633-1 für Pulver-Beschichtungssysteme im Stahlbau. Für Flüssigbeschichtungen gilt DIN EN ISO 12944.

Warum blättert die Beschichtung auf verzinktem Stahl manchmal ab?

Häufige Ursachen sind eine unzureichende Vorbehandlung, nicht entfernter Weißrost oder ein Beschichtungsstoff, der nicht für Zink geeignet ist. Deshalb liegt die Verantwortung für Prüfung und Vorbereitung beim Beschichtungsbetrieb, und die Eignung muss im Datenblatt bestätigt sein.

Stahlbau nach DIN EN 1090: RICHTER Metallbau

RICHTER Metallbau ist ein inhabergeführter Familienbetrieb aus Hagen a.T.W. bei Osnabrück, seit 1994 im Metallbau tätig und zertifiziert nach DIN EN 1090. Wir fertigen tragende Bauteile aus Stahl und Aluminium als zertifizierter Hersteller nach DIN EN 1090, von der Konstruktion bis zur Montage.

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Quellen

Stand: 03.11.2026