Kurz gesagt: Beim CNC-Plasmaschneiden schmilzt ein sehr heißer Strahl aus ionisiertem Gas Metall entlang einer programmierten Kontur auf und bläst die Schmelze aus. Das Verfahren ist besonders wirtschaftlich bei mittleren und dicken Blechen aus Baustahl, Edelstahl oder Aluminium, etwa für Fußplatten, Knotenbleche und Konstruktionsteile. Für sehr feine Konturen, kleine Bohrungen und enge Toleranzen ist das Laserschneiden meist die bessere Wahl.
Wie funktioniert Plasmaschneiden?
Ein Lichtbogen erzeugt nach der Beschreibung der britischen Arbeitsschutzbehörde HSE einen Strom aus heißem, ionisiertem Gas. Dieser schmilzt eine schmale Linie im Metall auf, und der Gasstrahl treibt die Schmelze aus der Schnittfuge. Als Plasmagas werden unter anderem Druckluft, Stickstoff oder Gemische aus Argon und Wasserstoff verwendet.
Bei einer CNC-Anlage führt eine Maschine den Brenner über eine Tafel. Die Kontur kommt direkt aus den Konstruktionsdaten, mehrere Teile werden platzsparend auf einer Blechtafel verschachtelt. Dadurch lassen sich Einzelteile und Serien mit gleichbleibender Kontur fertigen.
Geschnitten werden Metalle, typischerweise Baustahl, Edelstahl, Aluminium, Kupfer und Messing, auch verzinkte Bleche.
Welche Blechdicken lassen sich plasmaschneiden?
Die Norm DIN EN ISO 9013 zur Einteilung thermischer Schnitte deckt Plasmaschnitte von 0,5 mm bis 150 mm Dicke ab. Die HSE nennt für maschinelle Brenner Schnittdicken bis etwa 150 mm, für Handbrenner bis etwa 25 mm. Ein Vergleich eines Anlagenherstellers sieht den wirtschaftlichen Schwerpunkt des Plasmaschneidens bei etwa 5 bis 160 mm.
Welche Dicke eine konkrete Anlage schafft, hängt vor allem von der Stromstärke der Plasmaquelle ab. Fragen Sie bei Ihrem Fertiger nach dem tatsächlichen Dickenbereich für Ihren Werkstoff.
Wie genau ist ein Plasmaschnitt?
Die Qualität thermischer Schnitte wird nach DIN EN ISO 9013 beschrieben. Die Norm legt Merkmale und Qualitätstoleranzen fest, sodass sich die geforderte Schnittqualität in der Zeichnung angeben lässt. Die aktuelle Ausgabe ist DIN EN ISO 9013:2025-04 (ISO 9013:2017 mit Änderung 1:2024).
Ein Whitepaper eines Herstellers von Schneidanlagen nennt für das Plasmaschneiden folgende Richtwerte:
- Rechtwinkligkeit der Schnittkante im Bereich 2 bis 4 nach ISO 9013 (Faserlaser: Bereich 1)
- Bauteilgenauigkeit etwa 0,2 bis 0,5 mm (Faserlaser: unter 0,05 mm)
- kleine Löcher ab etwa 5 mm Blechdicke mit einem Durchmesser von rund dem 0,75-fachen der Blechdicke
- leichte Verrundungen an Innenecken durch den nachlaufenden Lichtbogen
Für Passbohrungen, Gewinde oder Schraubenlöcher mit engem Spiel ist deshalb häufig ein Nachbohren sinnvoll. Für Fußplatten, Laschen, Rippen und Knotenbleche reicht die Genauigkeit in vielen Fällen aus.
Plasma, Laser oder Brennschneiden: was passt wann?
| Kriterium | Plasmaschneiden | Laserschneiden | Autogenes Brennschneiden |
|---|---|---|---|
| Dickenbereich nach DIN EN ISO 9013 | 0,5 bis 150 mm | 0,5 bis 32 mm | 3 bis 300 mm |
| Genauigkeit (Richtwert Hersteller-Whitepaper) | 0,2 bis 0,5 mm | unter 0,05 mm | nicht bewertet |
| Feine Konturen und kleine Löcher | eingeschränkt | gut | eingeschränkt |
| Fasenschnitt | Stand der Technik | physikalisch nachteilig | nicht bewertet |
| Investition der Anlage | geringer | hoch | nicht bewertet |
Faustregel: Dünne Bleche mit vielen Details gehören auf den Laser, mittlere und dicke Bleche mit einfacheren Konturen sind beim Plasmaschneiden oft günstiger. Für sehr dicke Baustahlplatten kommt auch das Brennschneiden infrage.
Wann lohnt sich CNC-Plasmaschneiden?
- Konstruktionsteile aus Stahl: Fußplatten, Kopfplatten, Knotenbleche, Rippen, Laschen für Treppen, Bühnen und Hallen
- Schweißnahtvorbereitung: Fasen lassen sich direkt mitschneiden. Das Whitepaper nennt glatte Fasen bis 50° bei Blechdicken von 3 bis 60 mm sowie Mehrfachfasen in Y-, K- und X-Form.
- Dekorative Teile: Ornamente, Schriftzüge, Sichtschutzelemente, wenn keine sehr feinen Details gefordert sind; mehr dazu im Beitrag Wandverkleidung aus Metall
- Einzelteile und kleine Serien: Programmierung aus den Konstruktionsdaten, kein Werkzeugbau
Werden plasmageschnittene Teile in tragenden Bauteilen verbaut, gehört das thermische Schneiden zur werkseigenen Produktionskontrolle nach DIN EN 1090. Laut bauforumstahl sollten thermisch geschnittene Teile, Schweißnahtvorbereitungen und thermisch hergestellte Löcher aus einer zertifizierten Produktionskontrolle mit CE-Kennzeichnung stammen. Hintergrund dazu im Beitrag EN 1090 einfach erklärt.
Welche Faktoren bestimmen die Kosten?
Ein Preis pro Teil hängt von vielen Faktoren ab. Die wichtigsten Kostentreiber:
- Werkstoff und Blechdicke
- Schnittlänge und Anzahl der Einstiche (jede Innenkontur ist ein Einstich)
- Fasen und Mehrfachfasen
- Verschachtelung auf der Tafel und Verschnitt
- Nacharbeit wie Entgraten, Nachbohren oder Gewindeschneiden
- Losgröße und Aufwand für die Datenaufbereitung
Checkliste für eine Anfrage:
- Zeichnung oder DXF/DWG im Maßstab 1:1 mit geschlossenen Konturen
- Werkstoff, Blechdicke und Stückzahl
- geforderte Schnittqualität, idealerweise mit Angabe nach DIN EN ISO 9013
- Fasen, Bohrungen mit Toleranz, gewünschte Nachbearbeitung
- Oberflächenbehandlung im Anschluss, etwa Verzinken oder Beschichten
Was ist beim Arbeitsschutz zu beachten?
Plasmaschneiden setzt Rauche, Gase, Lärm und UV-Strahlung frei. Die TRGS 528 beschreibt die Rauche beim thermischen Schneiden als überwiegend alveolengängig. Nitrose Gase entstehen vor allem beim Plasmaschneiden mit Druckluft, beim Schneiden von Aluminium ist zusätzlich mit Ozon zu rechnen. Beschichtungen und Verunreinigungen können weitere Zersetzungsprodukte freisetzen.
Die HSE nennt Wasserbäder und Absaugungen als wichtigste Schutzmaßnahmen. Beim Schneiden unter etwa 50 mm Wasser kann der Rauch auf 10 Prozent oder weniger sinken. Bei Stromstärken über 250 A liegt der Lärm laut HSE wahrscheinlich über 100 dB(A). Professionelle Anlagen arbeiten deshalb mit Wassertisch oder Absaugung von unten.
Häufige Fragen
Kann man Edelstahl und Aluminium plasmaschneiden?
Ja. Plasmaschneiden eignet sich für Metalle wie Baustahl, Edelstahl, Aluminium, Kupfer und Messing.
Wie dick darf das Blech sein?
DIN EN ISO 9013 deckt Plasmaschnitte von 0,5 bis 150 mm ab. Der tatsächlich mögliche Bereich hängt von der Anlage ab.
Sind plasmageschnittene Löcher maßhaltig genug für Schrauben?
Für einfache Durchgangslöcher oft ja, wenn der Durchmesser nicht zu klein im Verhältnis zur Blechdicke ist. Für Passbohrungen und enge Toleranzen wird meist nachgebohrt.
Müssen Plasmateile nachbearbeitet werden?
Je nach Anforderung. Häufig werden Kanten entgratet; für Verzinkung oder Beschichtung kann eine Kantenvorbereitung nötig sein.
Stahlbau und Fertigung für Industrie: RICHTER Metallbau
RICHTER Metallbau ist ein inhabergeführter Familienbetrieb aus Hagen a.T.W. bei Osnabrück, seit 1994 im Metallbau tätig und zertifiziert nach DIN EN 1090. Wir konstruieren in 3D, fertigen mit CNC-Plasmaschneidanlage, Biege- und Schweißtechnik in eigener Halle und montieren Bühnen, Podeste und Stahlkonstruktionen vor Ort.
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Quellen
- HSE: Plasma cutting, control of fume, gases and noise
- DIN Media: DIN EN ISO 9013:2017-05, Thermisches Schneiden
- DIN: DIN EN ISO 9013:2025-04
- Whitepaper: Plasma und Laser im Vergleich
- TRGS 528 Schweißtechnische Arbeiten, Abschnitt 3
- bauforumstahl: CE-Kennzeichnung nach EN 1090
Stand: 03.11.2026




