Kurz gesagt: Die Ausführungsklasse (EXC) legt fest, wie streng ein Stahltragwerk gefertigt, geschweißt und geprüft werden muss. Es gibt vier Klassen, EXC 1 bis EXC 4. EXC 2 verlangt Standard-Qualitätsanforderungen an das Schweißen, EXC 3 umfassende Anforderungen mit strengeren Abnahmekriterien und mehr Prüfaufwand. Welche Klasse gilt, bestimmt der Tragwerksplaner und schreibt sie in die Ausführungsunterlagen.
Was ist eine Ausführungsklasse?
EN 1090-2 enthält die technischen Regeln für die Ausführung von Stahltragwerken. Aktuell ist in Deutschland DIN EN 1090-2:2024-09, die deutsche Fassung von EN 1090-2:2018+A1:2024. Die Norm ordnet ihre Anforderungen vier Ausführungsklassen zu. Von EXC 1 bis EXC 3 steigen die Anforderungen. EXC 4 baut auf EXC 3 auf und ergänzt projektspezifische Anforderungen, zum Beispiel einen größeren Umfang zerstörungsfreier Prüfungen.
Die Ausführungsklasse kann für ein ganzes Tragwerk, für einzelne Bauteile oder für einzelne Details gelten. Sie betrifft viele Bereiche der Fertigung: Werkstoffnachweise, Schneiden, Schweißen, Toleranzen, Prüfungen und Dokumentation.
Wer legt die Ausführungsklasse fest und wie?
Die Ausführungsklasse ist Aufgabe der Planung. Seit der Ausgabe EN 1090-2:2018 ist der frühere informative Anhang B zur Bestimmung der Klasse entfallen. Die normativen Regeln stehen jetzt im Eurocode 3, und zwar in EN 1993-1-1:2005/A1:2014, Anhang C, zusammen mit dem jeweiligen Nationalen Anhang. Entscheidend sind dort vor allem:
- die Schadensfolgeklasse beziehungsweise Zuverlässigkeitsklasse des Bauwerks, also welche Folgen ein Versagen für Menschen und Sachwerte hätte,
- die Art der Beanspruchung, also vorwiegend ruhend oder ermüdungsrelevant,
- die Stahlgüte.
Die Klasse muss in den Ausführungsunterlagen eindeutig angegeben sein. Verlassen Sie sich nicht auf eine Standardannahme, sondern lassen Sie die Klasse vom Tragwerksplaner festlegen. In der britischen Fachliteratur gilt EXC 2 als die Klasse, die für die meisten Hochbauten zu erwarten ist; Brücken werden wegen der Ermüdungsbeanspruchung in der Regel EXC 3 zugeordnet. Für Ihr Bauvorhaben ist aber allein die Festlegung der Planung maßgeblich.
Worin unterscheiden sich EXC 2 und EXC 3?
Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede, wie sie in Fachdarstellungen zur EN 1090-2 beschrieben werden. Im Einzelfall gilt der Normtext in der aktuellen Ausgabe.
| Bereich | EXC 2 | EXC 3 |
|---|---|---|
| Qualitätsanforderungen Schweißen | EN ISO 3834-3, Standard-Qualitätsanforderungen | EN ISO 3834-2, umfassende Qualitätsanforderungen |
| Bewertungsgruppe für Schweißnähte nach EN ISO 5817 | grundsätzlich C, für einzelne Unregelmäßigkeiten D | grundsätzlich B |
| Schweißaufsicht | erforderlich, Kenntnisstufe je nach Stahlsorte und Blechdicke | erforderlich, höhere Kenntnisstufen |
| Ergänzende zerstörungsfreie Prüfung | Umfang nach Tabelle 24 der EN 1090-2 | höherer Umfang nach Tabelle 24 |
| Überwachung der WPK nach EN 1090-1 | nach 1, 2, 3 und 3 Jahren | nach 1, 1, 2, 3 und 3 Jahren |
Zum Vergleich: EXC 1 arbeitet mit elementaren Qualitätsanforderungen nach EN ISO 3834-4 und der Bewertungsgruppe D. EXC 4 entspricht mindestens EXC 3; den Prüfumfang legt die Planung dort für jede Naht einzeln fest.
Welche Anforderungen gelten an Schweißaufsicht und Schweißverfahren?
Für Bauteile ab EXC 2 muss der Betrieb eine Schweißaufsicht benennen. Ihre Aufgaben und Verantwortung beschreibt DIN EN ISO 14731 (Ausgabe 2019). Welche Kenntnisse die Schweißaufsicht braucht, regelt Tabelle 14 der EN 1090-2 in drei Stufen: Basiskenntnisse (B), spezielle Kenntnisse (S) und umfassende Kenntnisse (C). Als typische Qualifikationen gelten der International Welding Specialist, Technologist und Engineer. Die nötige Stufe hängt von der Ausführungsklasse, der Stahlsorte und der Materialdicke ab. Für EXC 3 sind bei gleichem Werkstoff und gleicher Dicke höhere Kenntnisse gefordert als für EXC 2.
Auch die Schweißverfahren müssen qualifiziert sein, etwa durch eine Verfahrensprüfung nach EN ISO 15614-1 oder eine vorgezogene Arbeitsprüfung nach EN ISO 15613. Seit der Ausgabe 2018 können Standardschweißverfahren nach EN ISO 15612 unter Bedingungen auch für EXC 3 und EXC 4 genügen, wenn das in den Ausführungsunterlagen vereinbart ist. Verfahrensprüfungen sind nach der Ausgabe 2018 unbegrenzt gültig.
Was bedeutet die Ausführungsklasse für Kosten und Auftragsvergabe?
Eine höhere Ausführungsklasse bedeutet nicht automatisch ein anderes Bauteil, aber mehr Aufwand in Fertigung und Nachweis. Typische Kostentreiber beim Schritt von EXC 2 auf EXC 3 sind:
- höher qualifiziertes Schweißaufsichtspersonal,
- strengere Abnahmekriterien für Schweißnähte und damit mehr Nacharbeit,
- ein größerer Umfang an zerstörungsfreien Prüfungen,
- mehr Dokumentation und kürzere Überwachungsintervalle des Betriebs.
Für die Vergabe heißt das: Der Betrieb braucht ein Zertifikat, das die geforderte Ausführungsklasse abdeckt. Wie die Zertifizierung abläuft, erklärt der Beitrag EN 1090 einfach erklärt: wer braucht die Zertifizierung?. Welche Unterlagen mit den Bauteilen geliefert werden, steht im Beitrag CE-Kennzeichnung bei tragenden Stahlbauteilen.
Welche Fehler passieren bei der Ausführungsklasse häufig?
- Keine Angabe in der Ausschreibung: Fehlt die Klasse, entstehen Rückfragen oder Angebote auf unterschiedlicher Grundlage.
- Pauschal zu hoch angesetzt: EXC 3 „zur Sicherheit“ für ein ganzes Projekt verteuert auch Bauteile, für die EXC 2 genügt hätte. Die Klasse kann bauteilbezogen festgelegt werden.
- Zertifikat nicht geprüft: Ein Betrieb mit Zertifikat für EXC 2 kann keine Bauteile liefern, für die EXC 3 gefordert ist.
- Alte Normausgabe: Ausschreibungen verweisen teils noch auf den entfallenen Anhang B der älteren Ausgabe. Maßgeblich ist heute Anhang C des Eurocode 3.
Häufige Fragen
Welche Ausführungsklasse brauche ich für eine Stahltreppe oder ein Vordach?
Das legt der Tragwerksplaner anhand von Schadensfolgen, Beanspruchung und Stahlgüte nach Anhang C von EN 1993-1-1 fest. Eine pauschale Antwort gibt es nicht; für viele Hochbauten wird in der Fachliteratur EXC 2 erwartet.
Was ist der Unterschied zwischen EN ISO 3834-3 und EN ISO 3834-2?
Teil 3 beschreibt Standard-Qualitätsanforderungen an das Schmelzschweißen und ist EXC 2 zugeordnet. Teil 2 beschreibt umfassende Qualitätsanforderungen und gilt für EXC 3 und EXC 4.
Gibt es noch den Anhang B der EN 1090-2?
Nein. Mit der Ausgabe 2018 wurde der informative Anhang B gestrichen. Die Regeln zur Wahl der Ausführungsklasse stehen jetzt in EN 1993-1-1:2005/A1:2014, Anhang C.
Darf ein Betrieb mit EXC 3 Zertifikat auch EXC 2 Bauteile liefern?
Die Anforderungen steigen von EXC 2 zu EXC 3, ein Betrieb mit höherer Qualifikation erfüllt daher in der Regel auch die niedrigere Klasse. Lassen Sie sich im Zweifel den Geltungsbereich des Zertifikats bestätigen.
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Quellen
- DIN Media: DIN EN 1090-2:2024-09
- DIN Media: DIN EN 1090-2:2018-09 (zurückgezogen)
- DIN Media: DIN EN ISO 14731:2019-07
- Handwerksblatt, HWK Münster: Für das Metallhandwerk gilt eine neue Stahlbaunorm
- WKO Steiermark: Änderungen in der EN 1090-2
- WKO Bundesinnung Metalltechniker: Leitfaden EN 1090
- TWI: Structural steel CE marking and ISO 3834
- New Steel Construction: AD 394, Selection of execution class
- Österreichischer Stahlbauverband: EN 1090-2:2018, Inspektion nach dem Schweißen
- GSI SLV: EN 1090, Schweißen und Schneiden
Stand: 03.11.2026




