Kurz gesagt: Ein Treppenturm aus Stahl ist eine vor dem Gebäude stehende Treppenanlage mit eigener Tragkonstruktion, Treppenläufen und Podesten. An Hallen und Bürogebäuden dient er meist als zweiter baulicher Rettungsweg oder als separate Außenerschließung von Obergeschossen, Ebenen und Dächern. Welche Anforderungen im Einzelfall gelten, ergibt sich aus der Landesbauordnung, bei Industriebauten zusätzlich aus der Industriebau-Richtlinie und in Arbeitsstätten aus den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR).
Was ist ein Treppenturm aus Stahl und wie ist er aufgebaut?
Anders als eine einzelne Außentreppe, die an der Fassade entlangläuft, bildet ein Treppenturm ein eigenes, in sich ausgesteiftes Bauwerk. Er steht auf eigenen Fundamenten und wird über Podeste oder kurze Stege an die Geschosse angeschlossen. Häufig sind die Läufe gegenläufig angeordnet: Ein Lauf führt zum Zwischenpodest, der nächste läuft in Gegenrichtung weiter zum Geschosspodest. So bleibt die Grundfläche kompakt, auch wenn mehrere Geschosse erschlossen werden.
Typische Bauteile eines Treppenturms sind:
- Fundamente aus Stahlbeton mit Ankerplatten oder Ankern
- Stützen aus Hohl- oder Walzprofilen, ausgesteift durch Verbände oder biegesteife Rahmen
- Treppenwangen mit Stufen, im Außenbereich oft aus Gitterrost
- Zwischenpodeste und Austrittspodeste vor den Türen
- Geländer und Handläufe an allen freien Seiten
- Anschlüsse an das Gebäude, falls der Turm dort zusätzlich gehalten wird
Ob der Turm frei steht oder am Gebäude verankert wird, legt der Tragwerksplaner fest. Ein frei stehender Turm leitet kaum Lasten in die vorhandene Fassade ein, braucht dafür aber eine eigene Aussteifung und entsprechend bemessene Fundamente.
Wofür werden Treppentürme an Hallen und Bürogebäuden eingesetzt?
Der häufigste Anlass ist der Rettungsweg. Die Musterbauordnung (MBO) verlangt für Nutzungseinheiten mit Aufenthaltsräumen in jedem Geschoss mindestens zwei voneinander unabhängige Rettungswege ins Freie (§ 33 MBO). Notwendige Treppen müssen grundsätzlich in einem eigenen, durchgehenden Treppenraum liegen. Ohne Treppenraum ist eine notwendige Treppe nach § 35 Abs. 1 MBO unter anderem „als Außentreppe, wenn ihre Nutzung ausreichend sicher ist und im Brandfall nicht gefährdet werden kann“ zulässig. Die Bauordnung NRW enthält in § 35 dieselbe Formulierung, die Niedersächsische Bauordnung in § 35 eine vergleichbare Regel. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Zweiter Rettungsweg: Anforderungen an Gebäude.
Für Industriebauten gilt zusätzlich die Muster-Industriebau-Richtlinie (MIndBauRL). Nach der Fassung von Mai 2019 müssen Industriebauten mit mehr als 1.600 m² Grundfläche in jedem Geschoss mindestens zwei bauliche Rettungswege haben, und jeder Raum mit mehr als 200 m² Grundfläche braucht mindestens zwei Ausgänge. Einer der Rettungswege darf über eine Außentreppe führen, wenn sie im Brandfall ausreichend lange standsicher ist. Von jeder Stelle eines Produktions- oder Lagerraums muss ein Ausgang ins Freie, ein Treppenraum oder eine Außentreppe erreichbar sein, bei einer mittleren lichten Raumhöhe bis 5 m in höchstens 35 m Entfernung, mit Internalarm in höchstens 50 m.
Im Arbeitsstättenrecht verlangt die ASR A2.3 einen Nebenfluchtweg unter anderem für Produktions- und Lagerräume mit mehr als 200 m² und für sonstige Arbeitsräume mit mehr als 400 m², etwa Großraumbüros. Daneben werden Treppentürme als eigener Zugang für Mieteinheiten im Obergeschoss oder als Zugang zu Dachflächen mit Technik genutzt.
Welche Anforderungen gelten an Material und Brandschutz?
Nach § 34 Abs. 4 MBO müssen die tragenden Teile von Außentreppen, die als notwendige Treppe ohne Treppenraum dienen, bei Gebäuden der Gebäudeklassen 3 bis 5 aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen. Stahl zählt zur Baustoffklasse A1, also zu den nichtbrennbaren Baustoffen. Die Gebäudeklasse hängt vor allem von der Höhe ab: Gemessen wird die Fußbodenoberkante des höchstgelegenen Geschosses mit möglichem Aufenthaltsraum über dem Gelände. Gebäudeklasse 3 umfasst sonstige Gebäude bis 7 m, Gebäudeklasse 4 Gebäude bis 13 m mit Nutzungseinheiten von jeweils höchstens 400 m², Gebäudeklasse 5 alle übrigen Gebäude.
Was „im Brandfall nicht gefährdet“ konkret bedeutet, legt der Gesetzestext nicht fest. Das wird im Brandschutzkonzept geklärt, zum Beispiel über die Lage des Turms zu Fenstern und anderen Öffnungen in der Außenwand. Maßgeblich ist immer das Bauordnungsrecht des Landes, in dem gebaut wird. Stimmen Sie das konkrete Vorhaben mit Architekt, Brandschutzplaner oder Bauaufsicht ab.
Welche Maße und Regeln sind bei der Planung zu beachten?
Für Treppentürme an Arbeitsstätten sind vor allem die ASR A1.8 (Verkehrswege, Ausgabe 2022, geändert 2024) und die ASR A2.3 (Fluchtwege und Notausgänge, Ausgabe 2022) wichtig. Für notwendige Treppen verweist die Fachliteratur außerdem auf die DIN 18065. Eine Auswahl:
| Merkmal | Wert | Grundlage |
|---|---|---|
| Steigung und Auftritt, Treppen im Freien | 14 bis 17 cm Steigung, 28 bis 32 cm Auftritt | ASR A1.8, Tabelle 4 |
| Steigung und Auftritt, gewerbliche Bauten | 16 bis 19 cm Steigung, 26 bis 30 cm Auftritt | ASR A1.8, Tabelle 4 |
| Zwischenpodest | nach höchstens 18 Stufen (bis 36° Steigungswinkel) | ASR A1.8; DIN 18065 für notwendige Treppen |
| Geländerhöhe | mindestens 1,00 m, ab 12 m Absturzhöhe 1,10 m | ASR A1.8 |
| Handläufe beidseitig | bei Stufenbreite über 1,5 m | ASR A1.8 |
| Abstand Tür zur ersten Stufe | mindestens 1,0 m, bei aufgeschlagener Tür 0,5 m | ASR A1.8 |
| Breite Hauptfluchtweg | 1,00 m bis 20 Personen, 1,20 m bis 200 Personen | ASR A2.3, Tabelle 1 |
| Nutzbare Laufbreite notwendiger Treppen | 100 cm (Wohngebäude mit bis zu zwei Wohnungen 80 cm) | DIN 18065 |
Wendel- und Spindeltreppen sind im Verlauf eines Hauptfluchtwegs nach ASR A2.3 nicht zulässig. Für Fluchtwege, die nur der Evakuierung dienen, etwa Außentreppen, erlaubt die ASR A2.3 eine Reduzierung der Breiten auf die Werte für Durchgänge. Einen Überblick über Laufbreite und Steigung gibt der Beitrag Fluchttreppe: Breite, Steigung und Maße.
Wie läuft ein Projekt von der Planung bis zur Montage ab?
- Bedarf klären: Welche Geschosse oder Ebenen sollen angeschlossen werden, wie viele Personen nutzen den Weg, ist der Turm Rettungsweg oder Zugang?
- Brandschutz und Genehmigung: Brandschutzkonzept anpassen und mit der Bauaufsicht abstimmen. Ob ein Bauantrag nötig ist, erklärt der Beitrag Braucht eine Fluchttreppe eine Baugenehmigung?
- Aufmaß vor Ort: Türpositionen, Geschosshöhen, Lage der Fundamente, Leitungen im Erdreich, Zufahrten und Aufstellflächen.
- Tragwerksplanung: Standsicherheitsnachweis mit den Einwirkungen nach Eurocode 1 (DIN EN 1991), also Eigengewicht, Nutzlasten sowie Wind und Schnee.
- Werkstattplanung und Fertigung: Seit dem 1. Juli 2014 gilt für die Ausführung von Stahlbauprodukten die EN 1090. Der Hersteller stellt auf Grundlage seiner zertifizierten werkseigenen Produktionskontrolle die Leistungserklärung und das CE-Kennzeichen aus.
- Korrosionsschutz: Außen wird meist feuerverzinkt. Die Stückverzinkung ist in DIN EN ISO 1461 geregelt, die Mindestschichtdicke beträgt bei Bauteilen über 6 mm Materialdicke 85 µm. Die Konstruktion sollte nach DIN EN ISO 14713-2 verzinkungsgerecht ausgebildet sein.
- Fundamente und Montage: Fundamente herstellen, Turm stellen und ausrichten, Podeste anschließen, Geländer montieren.
- Abnahme und Unterlagen: Übergabe von Statik, Leistungserklärung und Prüfunterlagen an den Betreiber.
Welche Fehler treten bei Treppentürmen häufig auf?
- Der Turm wird geplant, bevor das Brandschutzkonzept steht, und muss danach versetzt oder geändert werden.
- Der Rettungsweg führt dicht an Fenstern vorbei, die im Brandfall gefährlich werden können.
- Eine Tür schlägt direkt über die erste Stufe auf. § 34 Abs. 7 MBO verlangt dann einen ausreichenden Treppenabsatz zwischen Tür und Treppe.
- Zwischenpodeste fehlen oder sind zu kurz, weil die Grundfläche zu knapp bemessen wurde.
- Der Weg am Fuß des Turms ins Freie ist zugestellt, zum Beispiel durch Stellplätze, Container oder Lagerflächen.
- Die Konstruktion ist nicht verzinkungsgerecht, es fehlen etwa Entlüftungs- und Ablauföffnungen in Hohlprofilen.
Häufige Fragen
Muss ein Treppenturm aus Stahl eingehaust werden?
Nicht zwingend. Die Bauordnungen lassen eine notwendige Treppe ohne Treppenraum als Außentreppe zu, wenn ihre Nutzung ausreichend sicher ist und sie im Brandfall nicht gefährdet werden kann. Ob das im konkreten Fall erfüllt ist, klärt das Brandschutzkonzept mit der Bauaufsicht.
Darf statt eines Treppenturms eine Spindeltreppe gebaut werden?
Im Hauptfluchtweg einer Arbeitsstätte nicht: Die ASR A2.3 schließt Wendel- und Spindeltreppen dort aus. Im Nebenfluchtweg sind sie zulässig, gerade Läufe sollen aber bevorzugt werden.
Welche Treppenmaße gelten für Treppen im Freien an Arbeitsstätten?
Die ASR A1.8 nennt für Treppen im Freien eine Steigung von 14 bis 17 cm und einen Auftritt von 28 bis 32 cm. Als besonders sicher begehbar gelten Stufen mit 17 cm Steigung und 29 cm Auftritt.
Wie lange schützt die Feuerverzinkung einen Treppenturm?
Das hängt von der Schichtdicke und der Korrosionsbelastung am Standort ab. Das Institut Feuerverzinken nennt Schutzdauern von etwa 50 Jahren als üblich und über 100 Jahre als grundsätzlich möglich.
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Quellen
- Musterbauordnung (MBO), Fassung 2002, zuletzt geändert 23./24.11.2023
- BauO NRW 2018, § 35 Notwendige Treppenräume, Ausgänge
- Niedersächsische Bauordnung (NBauO) vom 03.04.2012
- Muster-Industriebau-Richtlinie (MIndBauRL), Stand Mai 2019
- ASR A2.3, Abschnitt 5 Hauptfluchtwege (BGN)
- ASR A2.3, Abschnitt 6 Nebenfluchtwege (BGN)
- ASR A1.8 Verkehrswege, Ausgabe März 2022 (Textfassung Ruhr-Universität Bochum)
- BauNetz Wissen: Treppenlauf
- BauNetz Wissen: Brandverhalten von Baustoffen
- bauforumstahl: CE-Kennzeichnung nach EN 1090
- Institut Feuerverzinken: Arbeitsblatt DIN EN ISO 14713
- DIN Media: DIN EN 1991-1-1/NA
- Bekanntmachung der Änderung der ASR A1.8 vom 12.06.2024, GMBl 2024 S. 412 (umwelt-online)
- Niedersächsische Bauordnung, § 35 Notwendige Treppenräume, Ausgänge (gesetze.co)
Stand: 03.11.2026




