Kurz gesagt: Ein Gerüsttreppenturm ist ein vorübergehend aufgestellter Teil eines Gerüstsystems, mit dem auf Baustellen Arbeitsplätze, Dächer oder Baugruben sicher erreicht werden. Ein Treppenturm aus Stahl ist dagegen eine dauerhafte bauliche Anlage, etwa als zweiter Rettungsweg oder Außenerschließung eines Gebäudes. Für den Gerüsttreppenturm gilt vor allem das Arbeitsschutzrecht, für den Stahltreppenturm das Bauordnungsrecht des Landes.
Was ist ein Gerüsttreppenturm?
Wer nach „Treppenturm“ sucht, meint oft den Treppenturm vom Gerüstbauer. Er besteht meist aus einer Rahmenkonstruktion mit vormontierten Treppenelementen, die häufig aus Aluminium gefertigt sind. Die Läufe sind oft gegenläufig angeordnet. Der Turm wird am Bauwerk oder am Gerüst verankert und erschließt höher oder tiefer liegende Arbeitsplätze. Er kann allein stehen oder in ein Fassadengerüst integriert sein und lässt sich bei Bedarf erweitern.
Gerüsttreppentürme eignen sich besonders, wenn Wege häufig begangen werden und die Gerüstlagen frei bleiben sollen, denn man erreicht die nächste Ebene ohne Übertritt ins Gerüst. Bei Dachsanierungen sind Treppentürme nach der Fachliteratur vorzusehen. Ist die Arbeit erledigt, wird der Turm wieder abgebaut.
Was ist ein Treppenturm aus Stahl?
Ein Treppenturm aus Stahl wird für ein bestimmtes Gebäude geplant, gefertigt und dauerhaft auf Fundamenten errichtet. Er besteht aus Stützen, Verbänden, Treppenläufen, Podesten und Geländern und ist in der Regel feuerverzinkt. Typische Einsatzfälle sind der zweite bauliche Rettungsweg an Hallen und Bürogebäuden, der separate Zugang zu Obergeschossen oder der Zugang zu Dachflächen. Aufbau und Einsatz beschreibt der Beitrag Treppenturm aus Stahl: Aufbau und Einsatz an Hallen und Bürogebäuden.
Welche Regeln gelten für den Gerüsttreppenturm?
Gerüste auf Baustellen sind Arbeitsmittel. Maßgeblich sind die Betriebssicherheitsverordnung und die TRBS 2121 Teil 1 „Gefährdung von Beschäftigten durch Absturz bei der Verwendung von Gerüsten“ in der Fassung vom 10. Januar 2019. Daraus und aus den Hinweisen der BG BAU ergeben sich unter anderem folgende Punkte:
- Aufzüge, Transportbühnen und Treppen sind gegenüber Leitern zu bevorzugen. Innenliegende Leitern sind bis zu einer Aufstiegshöhe von 5 m zulässig.
- Zugänge müssen mindestens alle 50 m vorhanden sein.
- Gerüstsysteme sind, soweit die Landesbauordnung es verlangt, mit einer gültigen allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung zu verwenden. Weicht der Aufbau von der Regelausführung ab, ist ein Standsicherheitsnachweis erforderlich.
- Auf- und Abbau erfolgen nach einer Montageanweisung, Grundlage ist die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers.
- Nach der Fertigstellung prüft eine zur Prüfung befähigte Person den Zugang, bevor er übergeben wird. Der Nutzer kontrolliert vor dem Gebrauch per Sichtprüfung. Nach Stürmen oder längerer Nichtnutzung ist eine außerordentliche Prüfung zu veranlassen.
- Jedes Gerüst ist zu kennzeichnen, unter anderem mit Ersteller, Gerüstbauart, Last- und Breitenklasse, Nutzungsbeschränkungen und dem Datum der letzten Prüfung.
Für die Bemessung von Gerüsttreppen nennt die DIN EN 12811 unter anderem eine gleichmäßig verteilte Nutzlast von 1,0 kN/m² auf Stufen und Podesten sowie eine Einzellast von 1,0 kN je Stufe.
Welche Regeln gelten für den dauerhaften Treppenturm aus Stahl?
Ein dauerhafter Treppenturm ist eine bauliche Anlage. Dient er als notwendige Treppe, greifen die Vorschriften der Landesbauordnung. Nach § 35 Abs. 1 MBO ist eine notwendige Treppe ohne eigenen Treppenraum als Außentreppe zulässig, wenn ihre Nutzung ausreichend sicher ist und sie im Brandfall nicht gefährdet werden kann. Bei Gebäuden der Gebäudeklassen 3 bis 5 müssen die tragenden Teile solcher Außentreppen aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen (§ 34 Abs. 4 MBO). Niedersachsen und NRW haben vergleichbare Regeln. Das konkrete Vorhaben stimmen Sie mit Architekt, Brandschutzplaner oder Bauaufsicht ab.
Gefertigt wird nach EN 1090. Seit dem 1. Juli 2014 gilt diese Norm europaweit für die Ausführung von Stahlbauprodukten, der Hersteller stellt Leistungserklärung und CE-Kennzeichen auf Grundlage seiner werkseigenen Produktionskontrolle aus. Die Lastannahmen folgen dem Eurocode 1 (DIN EN 1991). In Arbeitsstätten sind zusätzlich die ASR A1.8 (Verkehrswege) und die ASR A2.3 (Fluchtwege) zu beachten, zum Beispiel ein Zwischenpodest nach höchstens 18 Stufen und eine Geländerhöhe von mindestens 1,00 m. Ob eine Baugenehmigung nötig ist, erläutert der Beitrag Braucht eine Fluchttreppe eine Baugenehmigung?
Wo liegen die Unterschiede im Überblick?
| Merkmal | Gerüsttreppenturm | Treppenturm aus Stahl |
|---|---|---|
| Zweck | Zugang zu Arbeitsplätzen auf Baustellen, Dächern, Baugruben | dauerhafte Erschließung, oft zweiter Rettungsweg |
| Standzeit | für die Dauer der Bauarbeiten | dauerhaft, für die Nutzungsdauer des Gebäudes geplant |
| Bauweise | Systembauteile, Treppenelemente häufig aus Aluminium | objektbezogen geplante Stahlkonstruktion auf Fundamenten |
| Wichtige Regelwerke | BetrSichV, TRBS 2121 Teil 1, DIN EN 12811 | Landesbauordnung, EN 1090, Eurocodes, bei Arbeitsstätten ASR A1.8 und A2.3 |
| Nachweis | Zulassung des Gerüstsystems, Regelausführung oder Einzelnachweis | Standsicherheitsnachweis für das konkrete Bauwerk |
| Prüfung | durch befähigte Person nach Aufbau, Sichtprüfung durch Nutzer | Abnahme nach Fertigstellung, danach Instandhaltung durch den Betreiber |
| Korrosionsschutz | systemabhängig | meist Feuerverzinkung, ggf. mit Beschichtung |
Kann ein Gerüsttreppenturm als Fluchttreppe dienen?
Vorübergehend ja, unter Bedingungen. Treppentürme aus Gerüstsystemen werden auch als temporäre Flucht- oder Ersatztreppen eingesetzt, etwa wenn das Haupttreppenhaus eines öffentlichen Gebäudes saniert wird. Nicht jeder Turm ist dafür geeignet: Maße, Laufrichtung, Tragfähigkeit und Geländer müssen zur Nutzung passen, bei öffentlichem Zugang zum Beispiel auch die Sicherung gegen Durchrutschen von Kindern. Ob eine solche Lösung zulässig ist und wie lange sie stehen darf, klären Sie vorab mit Bauaufsicht und Brandschutzplaner.
Fehlt an einem Gebäude dauerhaft der zweite Rettungsweg, ist der Gerüstturm keine Lösung auf Dauer. Er ist für die befristete Verwendung mit wiederkehrender Prüfung ausgelegt. Für die dauerhafte Lösung wird eine feste Treppe geplant, wie im Beitrag Fluchttreppe im Bestand nachrüsten beschrieben.
Woran erkennen Sie, welche Lösung Sie brauchen?
- Sie brauchen den Zugang nur für die Dauer von Bau- oder Sanierungsarbeiten: Gerüsttreppenturm über den Gerüstbauer.
- Das Treppenhaus wird saniert und ein Ersatzrettungsweg ist für einige Wochen nötig: Gerüsttreppenturm nach Abstimmung mit Bauaufsicht und Brandschutz.
- Ein Obergeschoss, eine Ebene oder ein Dach soll dauerhaft erschlossen werden: Treppenturm aus Stahl.
- Der zweite Rettungsweg fehlt oder reicht nicht aus: Treppenturm oder Außentreppe aus Stahl, abgestimmt mit dem Brandschutzkonzept.
Häufige Fragen
Ab welcher Höhe braucht man auf dem Gerüst eine Treppe statt einer Leiter?
Die TRBS 2121 Teil 1 bevorzugt Treppen grundsätzlich gegenüber Leitern. Innenliegende Leitern sind bis zu einer Aufstiegshöhe von 5 m zulässig. Darüber hinaus hängt die Wahl des Zugangs von Umfang und Dauer der Arbeiten ab.
Wer prüft einen Gerüsttreppenturm?
Nach dem Aufbau prüft eine zur Prüfung befähigte Person des Gerüsterstellers, danach kontrolliert der Nutzer vor dem Gebrauch per Sichtprüfung. Die Freigabe wird am Zugang gekennzeichnet.
Braucht ein dauerhafter Treppenturm aus Stahl eine CE-Kennzeichnung?
Tragende Stahlbauprodukte werden nach EN 1090 ausgeführt, der Hersteller stellt dafür Leistungserklärung und CE-Kennzeichen aus. Voraussetzung ist eine werkseigene Produktionskontrolle, die nach EN 1090-1 zertifiziert ist.
Darf ein Gerüsttreppenturm dauerhaft stehen bleiben?
Gerüste sind für die befristete Verwendung mit regelmäßiger Prüfung gedacht. Soll eine Treppe dauerhaft bleiben, ist eine feste Konstruktion nach Bauordnungsrecht der übliche Weg. Im Einzelfall entscheidet die Bauaufsicht.
Fluchttreppen aus der Region: RICHTER Metallbau
RICHTER Metallbau ist ein inhabergeführter Familienbetrieb aus Hagen a.T.W. bei Osnabrück, seit 1994 im Metallbau tätig und zertifiziert nach DIN EN 1090. Wir planen, fertigen und montieren außenliegende Fluchttreppen und Treppentürme aus Stahl, feuerverzinkt und auf Wunsch pulverbeschichtet: Werkplanung nach Ihren Architekten- und Statikvorgaben, Fertigung in der eigenen Halle, Montage mit eigenem Personal im Umkreis von rund 200 km um Osnabrück. Am schnellsten geht ein Angebot, wenn Sie Pläne oder Leistungsverzeichnis mitschicken.
Sprechen Sie uns an: Telefon 05403 79599-0 oder E-Mail info@richter-mb.de. Alles zu unseren Fluchttreppen und Treppentürmen finden Sie in unserem Portfolio, außerdem mehr zu unseren Leistungen für Industrie und Gewerbe.
Quellen
- BauNetz Wissen: Zugänge und Treppen für Gerüste
- BauNetz Wissen: Anforderungen an Gerüsttreppen
- BauNetz Wissen: Gerüsttreppen für Publikumsverkehr
- TRBS 2121 Teil 1, Abschnitt 4 Schutzmaßnahmen (BGN)
- TRBS 2121 Teil 1 vom 10. Januar 2019 (umwelt-online)
- BG BAU Baustein C 357: Zugänge zu Gerüsten
- Musterbauordnung (MBO), zuletzt geändert 23./24.11.2023
- bauforumstahl: CE-Kennzeichnung nach EN 1090
- ASR A1.8 Verkehrswege, Ausgabe März 2022 (Textfassung Ruhr-Universität Bochum)
Stand: 03.11.2026




