Kurz gesagt: Ein Bausatz ist eine gute Lösung für einfache, gerade Treppen mit gängiger Höhe, etwa zur Terrasse oder zum Nebeneingang, wenn Sie selbst montieren wollen. Eine Treppe nach Maß lohnt sich, sobald Podeste, Richtungswechsel, ein Rettungsweg, ungewöhnliche Höhen oder der Anschluss an ein bestehendes Gebäude ins Spiel kommen. Beide Varianten müssen dieselben Regeln einhalten: richtige Stufenmaße, ausreichende Geländer, Statik und bei tragenden Stahlbauteilen eine Herstellung nach DIN EN 1090.
Was unterscheidet einen Bausatz von einer Treppe nach Maß?
Ein Bausatz besteht aus vorgefertigten Standardteilen: Wangen in festen Längen, Stufen in festen Breiten, Geländerpfosten und Handläufe. Die Treppe wird für einen bestimmten Höhenbereich angeboten; innerhalb dieses Bereichs passt sich die Steigung an, indem die Stufen an der Wange versetzt befestigt werden oder die Neigung variiert.
Eine Treppe nach Maß wird auf Grundlage eines Aufmaßes geplant, statisch berechnet und in der Werkstatt für genau diese Situation gefertigt. Steigung, Auftritt, Laufbreite, Podeste, Anschlüsse und Geländer werden auf das Gebäude und die Nutzung abgestimmt.
Wann passt ein Bausatz?
- Die Treppe ist gerade und einläufig.
- Die zu überwindende Höhe liegt im Bereich, den der Bausatz abdeckt.
- Die Treppe ist kein Rettungsweg und keine notwendige Treppe.
- Untergrund und Anschluss sind einfach, zum Beispiel eine Terrasse aus Beton und ein ebenes Fundament am Fußpunkt.
- Sie haben handwerkliches Geschick und Hilfe für die Montage.
Typische Beispiele sind der Zugang zum Garten von einer erhöhten Terrasse, ein Nebeneingang oder ein Zugang zu einem Lagerraum.
Wo stößt ein Bausatz an Grenzen?
- Rettungswege und notwendige Treppen: Hier entscheiden Laufbreite, Steigung, Material und Geländer nach Landesrecht und oft nach Brandschutzkonzept. Tragende Teile von Außentreppen müssen nach der Musterbauordnung in den Gebäudeklassen 3 bis 5 aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen. Ein Standardprodukt deckt solche Anforderungen nicht automatisch ab.
- Podeste: Bei notwendigen Treppen ist nach DIN 18065 spätestens nach 18 Steigungen ein Podest nötig, außer in Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen. Eine Treppe darf außerdem nicht unmittelbar hinter einer zur Treppe aufschlagenden Tür beginnen. Bausätze bieten Podeste oft nur in wenigen Größen an, siehe Außentreppe aus Stahl mit Podest planen.
- Stufenmaße: Für Treppen im Freien in Arbeitsstätten verlangt die ASR A1.8 Auftritte von 28 bis 32 cm und Steigungen von 14 bis 17 cm. Passt die Höhe nicht genau, landet ein Bausatz schnell bei ungünstigen Stufen oder einer ungleichen ersten Stufe.
- Geländer: Geländerhöhe und zulässige Öffnungen hängen vom Land und von der Nutzung ab. In Arbeitsstätten verlangt die ASR A1.8 zum Beispiel mindestens 1,00 m Höhe und höchstens 18 cm Abstand zwischen Füllstäben; an Schulen gelten 1,10 m.
- Bestand und Fassade: Anschlüsse an gedämmte Wände, schiefe Untergründe oder Hanglagen erfordern meist individuelle Lösungen.
- Lasten: Gewerbliche Treppen mit Transportverkehr oder größeren Personenzahlen müssen für diese Nutzung bemessen werden.
Bausatz und Maßanfertigung im Vergleich
| Kriterium | Bausatz | Nach Maß |
|---|---|---|
| Planung | Auswahl aus Katalog, eigenes Aufmaß | Aufmaß vor Ort, individuelle Planung |
| Stufenmaße | innerhalb eines Höhenbereichs anpassbar | exakt auf die Höhe abgestimmt |
| Podeste und Richtungswechsel | nur in Standardgrößen | frei planbar |
| Rettungsweg, notwendige Treppe | nur nach Einzelprüfung | auf die Anforderungen ausgelegt |
| Statik | Typenstatik des Herstellers, Fundament meist selbst zu planen | Statik für das Gesamtsystem einschließlich Anschlüssen |
| Montage | Selbstmontage möglich | in der Regel durch den Hersteller |
| Lieferzeit | oft kurz, wenn ab Lager | länger wegen Planung und Fertigung |
| Gestaltung | begrenzte Auswahl | frei, passend zu Geländer und Fassade |
Was müssen beide Lösungen erfüllen?
- Herstellung nach DIN EN 1090: DIN EN 1090-1 gilt für tragende Stahl- und Aluminiumbauteile, die als Bauprodukte in Verkehr gebracht werden, und beschreibt die Konformitätsnachweise für tragende Bauteile und Bausätze. Der Hersteller braucht eine zertifizierte werkseigene Produktionskontrolle und stellt Leistungserklärung und CE-Kennzeichnung aus. Fragen Sie bei einem Bausatz danach. Mehr dazu im Beitrag EN 1090 einfach erklärt.
- Rutschhemmende Stufen: Für Außentreppen in Arbeitsstätten fordert die ASR A1.5 grundsätzlich R 11 oder R 10 mit Verdrängungsraum V4.
- Korrosionsschutz: Für draußen ist Feuerverzinken üblich. Für Bauteile über 6 mm Materialdicke verlangt DIN EN ISO 1461 mindestens 85 µm Zinkschicht.
- Handlauf: Nach den Landesbauordnungen braucht jede Treppe mindestens einen festen und griffsicheren Handlauf.
- Fundament: Stützen und Treppenfuß brauchen eine tragfähige, frostfreie Gründung.
- Genehmigung: Ob die Treppe genehmigungspflichtig ist, hängt vom Land und vom Vorhaben ab, nicht davon, ob sie als Bausatz kommt. Siehe Braucht eine Fluchttreppe eine Baugenehmigung?
Bauordnungsrecht ist Länderrecht. Stimmen Sie Treppen, die Teil eines Rettungswegs sind oder an Gebäude der Gebäudeklassen 3 bis 5 angebaut werden, mit Architekt, Brandschutzplaner oder Bauaufsicht ab. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.
Welche Faktoren bestimmen die Kosten?
Seriöse, allgemeingültige Preise gibt es für beide Varianten nicht, weil die Unterschiede zwischen den Projekten groß sind. Diese Punkte treiben die Kosten:
- Höhe, Zahl der Stufen und Laufbreite
- Zahl und Größe der Podeste, Richtungswechsel
- Stufenart, etwa Gitterrost, Lochblech oder Tränenblech
- Geländerausführung und Füllung
- Oberfläche: verzinkt oder zusätzlich beschichtet
- Fundamente, Anschluss an Fassade und Statik
- Transport, Kran und Montage
- Anforderungen aus Brandschutz und Genehmigung
Beim Bausatz kommen oft Leistungen hinzu, die im Preis nicht enthalten sind: Fundamente, Befestigungsmaterial für den Untergrund, Werkzeug, Helfer und gegebenenfalls ein Statiker. Vergleichen Sie deshalb das Gesamtpaket, nicht nur den Treppenpreis.
Checkliste vor dem Kauf
- Höhe von Gelände bis Oberkante Fertigfußboden genau messen.
- Prüfen, ob die Treppe ein Rettungsweg oder eine notwendige Treppe ist.
- Stufenmaße berechnen und mit den Regelwerten vergleichen.
- Platz für Podeste, Türaufschlag und Lauf ausmessen.
- Leistungserklärung und CE-Kennzeichnung beim Hersteller erfragen.
- Klären, wer Fundament, Statik und Montage übernimmt.
- Genehmigungsfrage vorab mit der Bauaufsicht klären.
Häufige Fragen
Kann ich eine Außentreppe aus Stahl als Bausatz selbst montieren?
Bei einfachen, geraden Treppen ist das möglich. Fundament, Verankerung und Geländer müssen trotzdem fachgerecht ausgeführt werden; Stahlteile sind schwer, planen Sie Helfer oder Hebezeug ein.
Darf ein Bausatz als Fluchttreppe genutzt werden?
Nur wenn er alle Anforderungen an den Rettungsweg erfüllt, die sich aus Landesrecht und Brandschutzkonzept ergeben. Das muss im Einzelfall nachgewiesen und abgestimmt werden.
Braucht auch ein Bausatz eine CE-Kennzeichnung?
DIN EN 1090-1 beschreibt die Konformitätsnachweise ausdrücklich auch für Bausätze aus tragenden Stahlbauteilen. Fragen Sie den Anbieter nach Leistungserklärung und CE-Kennzeichnung.
Ist eine Treppe nach Maß immer teurer?
Nicht zwingend. Wenn beim Bausatz Fundament, Statik, Anpassungen und Montage hinzukommen, kann der Unterschied kleiner ausfallen als gedacht. Vergleichen Sie den Gesamtaufwand.
Treppen und Geländer nach Maß: RICHTER Metallbau
RICHTER Metallbau ist ein inhabergeführter Familienbetrieb aus Hagen a.T.W. bei Osnabrück, seit 1994 im Metallbau tätig und zertifiziert nach DIN EN 1090. Wir fertigen Treppen und Geländer aus Stahl und Edelstahl nach Aufmaß in unserer Halle und montieren sie mit eigenem Team.
Sprechen Sie uns an: Telefon 05403 79599-0 oder E-Mail info@richter-mb.de. Mehr zu unseren Treppen und Geländern.
Quellen
- DIN EN 1090-1, DIN Media
- CE-Kennzeichnung nach EN 1090, bauforumstahl und Ingenieurkammer-Bau NRW
- ASR A1.8 Verkehrswege, Ausgabe März 2022
- Podest, Baunetz Wissen
- Rutschhemmung und Trittsicherheit, Baunetz Wissen
- Musterbauordnung, § 34 Treppen
- § 34 BauO NRW 2018, Treppen
- Schulbaurichtlinie NRW (SchulBauR) vom 17.11.2020
- Arbeitsblatt F3 DIN EN ISO 14713, Institut Feuerverzinken
- ASR A1.8 Verkehrswege, Abschnitt 4 (Wiedergabe BGN)
- BAuA: ASR A1.8 Verkehrswege, Ausgabestand und Änderungen
Stand: 03.11.2026




