Kurz gesagt: Ein Vorstellbalkon über mehrere Etagen ist ein eigenständiges Stahltragwerk aus Stützen, Trägern und Balkonplatten, das auf eigenen Fundamenten steht und am Gebäude nur gehalten wird. Je mehr Etagen, desto wichtiger werden Statik, Gründung, Entwässerung zwischen den Ebenen und das Genehmigungsverfahren. Die Kosten hängen vor allem von Etagenzahl, Balkongröße, Gründung, Belag, Geländer und Korrosionsschutz ab, eine seriöse Pauschale gibt es nicht.

Wie ist ein Vorstellbalkon über mehrere Etagen aufgebaut?

Ein Vorstellbalkon (auch vorgestellter oder aufgeständerter Balkon) wird vor die Außenwand gestellt. Die Fachzeitschrift Wohnungswirtschaft heute beschreibt ihn als statisch unabhängige Konstruktion mit mindestens vier Stützen und eigenen, statisch berechneten Fundamenten. Die horizontale Aussteifung übernehmen Ankersysteme am Gebäude. Bei mehreren Etagen laufen die Stützen durch, und jede Etage bekommt eine eigene Balkonebene, die an diesen Stützen angeschlossen ist.

Davon zu unterscheiden sind zwei andere Bauarten:

  • Anbaubalkon: nicht eigenständig gegründet. Typischerweise tragen zwei Stützen etwa die Hälfte der Last, die andere Hälfte trägt das Gebäude über Konsolen.
  • Hängebalkon: hängt an Wandkonsolen und leitet seine Lasten vollständig in das Gebäude. Er ist nur möglich, wenn die Gebäudestruktur das hergibt.

Für mehrgeschossige Anlagen an Bestandsgebäuden wird häufig der Vorstellbalkon gewählt, weil er die Fassade wenig belastet und sich gut mit gedämmten Fassaden verbinden lässt. Wärmebrücken lassen sich damit weitgehend vermeiden, die Anker in der Fassade müssen trotzdem wärmetechnisch sorgfältig geplant werden. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt, die Verankerung gut gedämmt und wärmebrückenarm auszuführen und Balkon und Fassadendämmung möglichst gemeinsam zu planen.

Was muss die Statik bei 2, 3 oder mehr Etagen leisten?

Mit jeder Etage summieren sich die Lasten in den Stützen und Fundamenten. Der Tragwerksplaner weist nach, dass Stützen, Träger, Anschlüsse, Anker und Gründung die Eigenlast, die Nutzlast der Balkone, Schnee und Wind sicher aufnehmen. Er legt auch fest, welche Ausführungsklasse nach DIN EN 1090 für die Stahlteile gilt. Tragende Stahlbauteile darf nur ein Betrieb mit werkseigener Produktionskontrolle nach DIN EN 1090 fertigen, mehr dazu im Beitrag EN 1090 einfach erklärt.

Typische Planungsfragen bei mehreren Etagen:

  • Wo können die Stützen stehen, ohne Zufahrten, Leitungen, Lichtschächte oder Kellerwände zu stören?
  • Wie tragfähig ist der Baugrund, und reichen Einzelfundamente oder ist ein Streifenfundament sinnvoller?
  • Wo und wie wird am Gebäude verankert, und ist das Mauerwerk oder die Decke an dieser Stelle tragfähig?
  • Liegen die Balkonebenen so, dass die Türschwellen jeder Wohnung passen?
  • Wie werden die Stahlteile so zerlegt, dass sie sich transportieren und mit dem verfügbaren Kran oder Gerät montieren lassen?

Wie wird das Wasser zwischen den Etagen abgeführt?

Bei übereinanderliegenden Balkonen ist die Entwässerung ein zentraler Punkt. Ein offener Belag wie Gitterrost oder Holzdielen mit Fugen lässt Wasser und Schmutz auf den darunterliegenden Balkon durch. Die Fachregel 02 des Zimmererhandwerks, die BauNetz Wissen zusammenfasst, verlangt deshalb: Bei mehr als einer Wohn- oder Nutzungseinheit sind übereinanderliegende Balkone und Balkone über Terrassen als geschlossene Konstruktion auszuführen. Das betrifft Holzkonstruktionen direkt, ist aber auch bei Stahlbalkonen ein guter Maßstab.

Geschlossene Balkonebenen brauchen ein Gefälle, eine Abdichtung oder dichte Bleche und eine geregelte Ableitung, etwa über Rinnen und Fallrohre an den Stützen. Für den Türanschluss nennt BauNetz Wissen als Anhaltswert, dass die Abdichtung etwa 15 cm über die Nutzschicht hochgeführt wird. Ist das bei niedrigen Schwellen nicht möglich, werden vor der Tür Rinnen mit Gitterrost von 10 bis 15 cm Breite eingesetzt. Welche Lösung passt, hängt vom Belag ab.

Welche Genehmigung braucht ein mehrgeschossiger Vorstellbalkon?

Das hängt vom Bundesland und vom Vorhaben ab. In Niedersachsen gilt nach § 59 NBauO der Grundsatz, dass Baumaßnahmen eine Baugenehmigung brauchen, soweit die NBauO nichts anderes bestimmt. In Nordrhein-Westfalen gilt nach § 60 BauO NRW derselbe Grundsatz. Verfahrensfrei ist in Niedersachsen nach Nr. 1.9 des Anhangs zu § 60 NBauO unter anderem das Erneuern von Balkonen an Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 und der Ersatz durch vor die Außenwand aufgeständerte Balkone, wenn die Brutto-Grundfläche nicht größer wird und der neue Balkon an derselben Stelle angeschlossen wird. Ein neuer Balkon über drei Etagen, wo bisher keiner war, fällt nicht darunter. In Niedersachsen kann für Wohngebäude im Geltungsbereich eines Bebauungsplans statt der Baugenehmigung eine Genehmigungsfreistellung nach § 62 NBauO in Betracht kommen; Bauvorlagen eines Entwurfsverfassers und geprüfte Nachweise zu Standsicherheit und Brandschutz sind dann trotzdem nötig.

Zusätzlich sind die Abstandsflächen zu prüfen. In Niedersachsen dürfen Balkone nach § 5 Abs. 3 Nr. 2 NBauO den Grenzabstand um höchstens 1,50 m, höchstens aber um ein Drittel unterschreiten, wenn die vortretenden Gebäudeteile insgesamt nicht mehr als ein Drittel der Breite der jeweiligen Außenwand einnehmen. In NRW bleiben nach § 6 Abs. 6 BauO NRW Vorbauten außer Betracht, wenn sie insgesamt nicht mehr als ein Drittel der Wandbreite einnehmen, nicht mehr als 1,60 m vortreten und mindestens 2 m von der gegenüberliegenden Nachbargrenze entfernt bleiben. Eine Balkonanlage, die mehr als ein Drittel der Wandbreite einnimmt, fällt in beiden Ländern nicht unter diese Erleichterung.

Bauordnungsrecht ist Landesrecht und hängt stark vom Einzelfall ab. Stimmen Sie das konkrete Vorhaben mit Ihrem Architekten oder der Bauaufsicht ab. Den Ablauf beschreibt der Beitrag Balkon nachträglich anbauen.

Wovon hängen die Kosten eines Vorstellbalkons über mehrere Etagen ab?

Für einen Vorstellbalkon über drei Etagen lässt sich kein seriöser Pauschalpreis nennen. Die Kosten entstehen aus diesen Faktoren:

Kostentreiber Warum er wirkt
Anzahl der Etagen und Balkone Mehr Ebenen bedeuten mehr Stahl, längere Stützen, mehr Anschlüsse und mehr Geländer.
Balkongröße und Tiefe Größere Spannweiten verlangen stärkere Träger und Stützen.
Gründung Baugrund, Fundamentgröße, vorhandene Leitungen und Zugänglichkeit bestimmen den Erdbau.
Verankerung am Gebäude Anzahl und Art der Anker, Dämmung und Wärmebrückenarmut, Zustand des Mauerwerks.
Belag und Entwässerung Offener Gitterrost ist einfacher als ein geschlossener Belag mit Abdichtung, Rinnen und Fallrohren.
Geländer Füllung aus Stäben, Lochblech, Glas oder Flachstahl, Höhe und Sichtschutz zwischen Wohnungen.
Korrosionsschutz Feuerverzinkung allein oder zusätzlich pulverbeschichtet (Duplex).
Montage Kran, Arbeitsbühne, Sperrung von Wegen, Arbeiten bei bewohntem Gebäude.
Planung und Verfahren Tragwerksplanung, Bauantrag, Gebühren, gegebenenfalls Vermessung.

Wenn mehrere Wohnungen übereinander Balkone bekommen, verteilen sich Fundamente, Stützen und Planung auf mehr Einheiten. Das macht den einzelnen Balkon in einer Anlage oft wirtschaftlicher als einen einzelnen Balkon, ohne dass sich das pauschal beziffern lässt.

Welcher Korrosionsschutz ist für außen sinnvoll?

Üblich ist das Feuerverzinken nach DIN EN ISO 1461. Das Institut Feuerverzinken nennt für Bauteile über 6 mm Dicke eine Mindestzinkschicht von 85 µm und Schutzdauern von 50 Jahren als in der Praxis üblich. Wie lange der Schutz tatsächlich hält, hängt von der Korrosivitätskategorie am Standort ab. Wer eine farbige Oberfläche möchte, kombiniert Verzinkung und Pulverbeschichtung, siehe Duplex-Beschichtung.

Was gilt in Eigentümergemeinschaften?

Ein Balkonanbau an der Fassade ist in einer Wohnungseigentümergemeinschaft eine bauliche Veränderung nach § 20 WEG. Sie wird von der Gemeinschaft beschlossen oder einem Eigentümer gestattet. Balkone gehören nicht zu den Maßnahmen, die nach § 20 Abs. 2 WEG jeder Eigentümer verlangen kann (Barrierefreiheit, Laden von E-Autos, Einbruchschutz, schnelles Internet, Steckersolargeräte). Klären Sie die Kostenverteilung und die spätere Erhaltung vorab im Beschluss.

Häufige Fragen

Kann ein Vorstellbalkon später um eine Etage erweitert werden?

Nur, wenn Stützen, Anschlüsse und Fundamente von Anfang an dafür bemessen sind. Planen Sie eine spätere Erweiterung deshalb gleich in der Statik mit.

Belastet ein Vorstellbalkon die Fassade?

Die senkrechten Lasten gehen über die Stützen in die eigenen Fundamente. Das Gebäude nimmt über die Anker vor allem horizontale Kräfte auf. Ob die Wand dafür geeignet ist, prüft der Tragwerksplaner.

Braucht jede Etage ein eigenes Geländer?

Ja, jede Balkonebene braucht eine Absturzsicherung. Welche Höhe gilt, erklärt der Beitrag zur Geländerhöhe.

Was kostet ein Vorstellbalkon über drei Etagen?

Das lässt sich nur über ein Angebot auf Basis von Aufmaß und Statik beziffern. Entscheidend sind Etagenzahl, Größe, Gründung, Belag, Geländer, Korrosionsschutz und Montagebedingungen.

Balkone aus Stahl: RICHTER Metallbau

RICHTER Metallbau ist ein inhabergeführter Familienbetrieb aus Hagen a.T.W. bei Osnabrück, seit 1994 im Metallbau tätig und zertifiziert nach DIN EN 1090. Wir planen, fertigen und montieren Balkone und Vorstellbalkone aus Stahl nach Maß, auch zur Balkonsanierung.

Sprechen Sie uns an: Telefon 05403 79599-0 oder E-Mail info@richter-mb.de. Mehr zu unseren Balkonen.

Quellen

Stand: 03.11.2026