Kurz gesagt: Stahl ist rund dreimal so steif wie Aluminium und erlaubt deshalb schlanke Profile, große Spannweiten und wenige Stützen. Aluminium ist rund dreimal leichter, bildet eine natürliche Oxidschicht und wird meist als vorgefertigtes Profilsystem verbaut. Welche Lösung passt, hängt von Spannweite, Schneelast, Glasdach, Gestaltung und Ihrem Anspruch an eine individuelle Konstruktion ab.
Worin unterscheiden sich Stahl und Aluminium als Werkstoff?
Für die Tragkonstruktion einer Terrassenüberdachung zählen vor allem Steifigkeit, Gewicht und das Verhalten bei Temperaturwechsel. Die Bemessungswerte stammen aus den Eurocodes für Stahlbau (DIN EN 1993-1-1) und Aluminiumbau (DIN EN 1999-1-1).
| Eigenschaft | Baustahl | Aluminium |
|---|---|---|
| Elastizitätsmodul | 210.000 N/mm² | 70.000 N/mm² |
| Dichte | rund 7.850 kg/m³ | 2.700 kg/m³ |
| Wärmeausdehnung | 12 × 10⁻⁶ je Kelvin | 23 × 10⁻⁶ je Kelvin |
| Korrosionsschutz | Feuerverzinkung, optional zusätzlich Beschichtung | natürliche Oxidschicht, meist eloxiert oder beschichtet |
| Typische Fertigung | Einzelanfertigung, geschweißt und verschraubt | häufig Systemprofile, verschraubt |
Der Elastizitätsmodul beschreibt, wie stark sich ein Bauteil unter Last verformt. Bei gleichem Querschnitt biegt sich ein Aluminiumprofil also etwa dreimal so stark durch wie ein Stahlprofil. Aluminium dehnt sich bei Wärme ungefähr doppelt so stark aus wie Stahl, was bei langen Konstruktionen und Glasdächern in den Anschlüssen berücksichtigt werden muss.
Welches Material erlaubt schlankere Profile und größere Spannweiten?
Weil Stahl steifer ist, kommt er bei gleicher Spannweite mit kleineren Querschnitten aus. Das zeigt sich vor allem an zwei Stellen:
- Rinnenträger und Pfetten: Mit Stahl lassen sich größere Abstände zwischen den Stützen überbrücken. Breite Terrassen bleiben so ohne Mittelstütze offen.
- Stützen: Stahlstützen können schlanker ausfallen, was bei modernen Fassaden oft gewünscht ist.
Aluminium gleicht die geringere Steifigkeit über höhere Profile, dickere Wandungen oder zusätzliche Stützen aus. Das ist bei Standardgrößen kein Nachteil, wird aber bei großen Breiten, hoher Schneelast oder schweren Glasdächern sichtbar. Der Gewichtsvorteil von Aluminium erleichtert Transport und Montage. Das höhere Eigengewicht von Stahl fließt in die Statik von Wandanschluss und Fundamenten ein.
Wie werden Stahl und Aluminium vor Korrosion geschützt?
Stahl braucht im Außenbereich einen Korrosionsschutz. Üblich ist das Feuerverzinken nach DIN EN ISO 1461. Für Bauteile mit mehr als 6 mm Materialdicke nennt das Institut Feuerverzinken eine Mindestschichtdicke von 85 µm. Wie lange der Zinküberzug schützt, hängt von der Korrosivitätskategorie der Umgebung ab. Schutzdauern von etwa 50 Jahren gelten laut Institut als üblich, mehr als 100 Jahre sind grundsätzlich möglich. Mehr dazu im Ratgeber Feuerverzinken: wie es funktioniert und wie lange es schützt.
Wer eine Farbe wünscht, wählt ein Duplex-System aus Feuerverzinkung und Beschichtung. Nach Angaben von Baunetz Wissen verlängert die Kombination die Schutzdauer je nach System um den Faktor 1,2 bis 2,5 gegenüber der Summe der Einzelschutzdauern. Pulver- und Flüssigbeschichtungen eignen sich dafür gleichermaßen (siehe Duplex-Beschichtung: Verzinken plus Pulverbeschichtung).
Aluminium bildet an der Luft eine natürliche Schutzschicht. Für Bauteile, die gut aussehen sollen, werden die Profile in der Regel eloxiert oder beschichtet. Wo Stahl und Aluminium oder Edelstahl aufeinandertreffen, etwa an Schrauben und Konsolen, sollten die Metalle konstruktiv getrennt werden, damit keine Kontaktkorrosion entsteht.
Welche Lasten muss eine Terrassenüberdachung tragen?
Unabhängig vom Material muss die Konstruktion für Eigengewicht, Schnee und Wind bemessen werden:
- Schnee: Die Schneelast richtet sich nach DIN EN 1991-1-3 mit nationalem Anhang. Sie hängt von der Schneelastzone und der Geländehöhe ab. Die Mindestwerte reichen von 0,65 kN/m² in Zone 1 bis 1,10 kN/m² in Zone 3. Für die norddeutsche Tiefebene ist zusätzlich ein außergewöhnlicher Lastfall zu prüfen. An Anbauten können Schneeverwehungen und abrutschender Schnee vom Hausdach maßgebend werden.
- Wind: Windlasten ergeben sich aus DIN EN 1991-1-4 mit nationalem Anhang. Deutschland ist in vier Windzonen eingeteilt, dazu kommen Geländekategorie und Bauhöhe. Bei offenen Überdachungen spielt der Sog eine wichtige Rolle.
- Glas: Ein Glasdach gilt als Horizontalverglasung nach DIN 18008-2 und erfordert Verbund-Sicherheitsglas.
Bei Stahl werden die Profile auf diese Lasten zugeschnitten. Bei Aluminiumsystemen geben die Hersteller meist Tabellen mit zulässigen Breiten und Tiefen je Schneelastzone vor. Wie sich diese Faktoren auf den Preis auswirken, beschreibt der Ratgeber Terrassenüberdachung aus Stahl und Glas: die Kostentreiber.
Braucht die Terrassenüberdachung eine Baugenehmigung?
Das regelt das jeweilige Landesrecht, nicht das Material. Zwei Beispiele für das Einzugsgebiet:
- Niedersachsen: Nach dem Anhang zu § 60 NBauO (Nr. 1.8) sind Terrassenüberdachungen mit nicht mehr als 40 m² Grundfläche verfahrensfrei, wenn sie mindestens 3 m Abstand zur Grenze des Nachbargrundstücks einhalten.
- Nordrhein-Westfalen: Nach § 62 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchstabe g BauO NRW sind Terrassenüberdachungen mit einer Fläche bis zu 30 m² und einer Tiefe bis zu 4,50 m verfahrensfrei.
Verfahrensfrei heißt nicht regelfrei. Bebauungsplan, Abstandsflächen, Brandschutz, Denkmalschutz und Standsicherheit gelten weiterhin. Werden Seitenwände ergänzt, kann aus der Überdachung rechtlich ein Wintergarten werden, für den andere Grenzen gelten. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung. Klären Sie Ihr Vorhaben mit Ihrem Architekten oder der zuständigen Bauaufsicht.
Wann passt welches Material?
Stahl spricht eher für sich, wenn
- die Terrasse breit ist und ohne Mittelstütze überdacht werden soll,
- eine schwere Eindeckung aus Glas oder ein hoher Schneelastwert ansteht,
- Form, Profilmaße und Anschlüsse frei geplant werden sollen,
- die Überdachung gestalterisch zu Geländern, Treppen oder Balkonen aus Stahl passen soll.
Aluminium spricht eher für sich, wenn
- eine Standardgröße aus einem Profilsystem genügt,
- ein geringes Bauteilgewicht wichtig ist, etwa bei schwierigem Zugang,
- ein eloxierter oder beschichteter Systemlook gewünscht ist.
Typische Fehler bei der Planung
- Schneelastzone und abrutschenden Schnee vom Hausdach nicht berücksichtigt.
- Befestigung an einer gedämmten Fassade ohne geeignete Konsolen geplant.
- Unterschiedliche Metalle ohne Trennung verschraubt.
- Entwässerung über Rinne und Fallrohr nicht mitgeplant.
- Abstand zur Nachbargrenze erst nach der Bestellung geprüft.
Häufige Fragen
Ist Aluminium für eine Terrassenüberdachung stabil genug?
Ja, wenn die Profile für Spannweite und Lasten ausgelegt sind. Aluminium ist weniger steif als Stahl und braucht deshalb größere Querschnitte oder mehr Stützen für dieselbe Fläche.
Rostet eine Terrassenüberdachung aus Stahl?
Feuerverzinkter Stahl ist durch den Zinküberzug geschützt. Die Schutzdauer hängt von der Umgebung ab, etwa 50 Jahre gelten als üblich. Mit einer zusätzlichen Beschichtung als Duplex-System verlängert sie sich weiter.
Welches Material ist leichter zu montieren?
Aluminium ist rund dreimal leichter als Stahl und lässt sich einfacher tragen. Bei Stahl übernimmt der Fachbetrieb Montage und Hebetechnik, der Aufwand an Fundamenten und Wandanschluss richtet sich bei beiden Materialien nach den Lasten.
Darf ich eine Terrassenüberdachung an die Grundstücksgrenze bauen?
In Niedersachsen ist die Terrassenüberdachung nur bei mindestens 3 m Abstand zur Nachbargrenze verfahrensfrei. In NRW sind Terrassenüberdachungen an der Grenze nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig. Klären Sie das vorab mit der Bauaufsicht.
Überdachungen aus Stahl: RICHTER Metallbau
RICHTER Metallbau ist ein inhabergeführter Familienbetrieb aus Hagen a.T.W. bei Osnabrück, seit 1994 im Metallbau tätig und zertifiziert nach DIN EN 1090. Wir fertigen Vordächer, Terrassenüberdachungen, Carports und Überdachungen für Gewerbe aus Stahl nach Maß und montieren sie vor Ort.
Sprechen Sie uns an: Telefon 05403 79599-0 oder E-Mail info@richter-mb.de. Mehr zu unseren Überdachungen.
Quellen
- Stadt Wolfsburg: Infoblatt verfahrensfreie Baumaßnahmen (Stand 2025)
- BauO NRW, § 62 Verfahrensfreie Bauvorhaben
- Stadt Kaarst: Bauen ohne Baugenehmigung
- Eurocode Applied: Steel design properties nach EN 1993-1-1
- SCIA: Eurocode Training EN 1999-1-1 (Materialkennwerte Aluminium)
- Baunetz Wissen: Aluminium
- Institut Feuerverzinken: Arbeitsblatt F3, DIN EN ISO 14713
- Baunetz Wissen: Feuerverzinkter, beschichteter Stahl
- Dlubal: Schneelasten nach DIN EN 1991-1-3
- Baunetz Wissen: Windlasten
- Baunetz Wissen: Bemessung von Horizontalverglasungen
- Niedersächsische Bauordnung, Anhang zu § 60 Abs. 1: Verfahrensfreie Baumaßnahmen (NI-VORIS, Fassung ab 01.07.2025)
- Gesetz zur Änderung der Landesbauordnung 2018 vom 21. Juli 2026, GV. NRW. 2026 S. 537 (recht.nrw.de)
Stand: 03.11.2026




