Kurz gesagt: Beim Feuerverzinken wird ein gereinigtes Stahlbauteil in flüssiges Zink von meist 440 bis 460 °C getaucht. Dabei entstehen fest mit dem Stahl verbundene Eisen-Zink-Legierungsschichten, die das Bauteil innen und außen schützen. Wie lange der Schutz hält, hängt von der Zinkschichtdicke und der Korrosionsbelastung ab. Das Institut Feuerverzinken nennt Schutzdauern von 50 Jahren und mehr als üblich.
Wie läuft das Feuerverzinken ab?
Für Stahlbauteile wie Treppen, Geländer, Tore oder Träger wird das Stückverzinken nach DIN EN ISO 1461 angewendet. Das Institut Feuerverzinken beschreibt den Ablauf so:
- Vorbereitung: Die Bauteile werden geprüft und zu Chargen ähnlicher Teile zusammengestellt.
- Entfetten und Spülen: in wässrigen alkalischen oder sauren Bädern, danach ein Spülbad.
- Beizen und Spülen: verdünnte Salzsäure entfernt Rost und Zunder.
- Fluxen und Trocknen: ein Flussmittel, meist eine Lösung aus Zink- und Ammoniumchlorid, verbessert die Benetzung durch das Zink.
- Verzinken: Das Bauteil wird in die Zinkschmelze getaucht und bleibt dort, bis es die Badtemperatur angenommen hat. Zink schmilzt bei etwa 419 °C, die Badtemperatur liegt meist bei 440 bis 460 °C. Die Schmelze enthält mindestens 98 % Zink.
- Kühlen und Kontrollieren: Abkühlen an Luft oder im Wasserbad, Wiegen, Prüfen und bei Bedarf Verputzen von Zinkspitzen.
Beim Eintauchen diffundieren Zink und Eisen ineinander. So bilden sich mehrere Eisen-Zink-Legierungsschichten, auf denen meist eine Reinzinkschicht liegt. Der Überzug ist damit nicht nur aufgelegt wie ein Anstrich, sondern mit dem Stahl verbunden.
Warum schützt die Zinkschicht so gut?
Das Institut Feuerverzinken nennt in seinem Arbeitsblatt zu den Eigenschaften der Feuerverzinkung mehrere Gründe:
- Kathodischer Schutz: An kleinen Beschädigungen opfert sich das umgebende Zink und schützt den freiliegenden Stahl. Das wirkt in der Praxis bei Schadstellen bis etwa 2 mm Breite.
- Härte und Haftung: Die Legierungsschichten sind teils härter als Baustahl. Gegenüber einer durchschnittlichen Farbbeschichtung gibt das Institut die Feuerverzinkung als deutlich abrieb- und steinschlagbeständiger an.
- Kantenschutz: Die Schicht zieht sich an Kanten nicht zurück, anders als viele Anstriche.
- Innen und außen: Hohlprofile werden auch innen geschützt, wenn das Zink ungehindert ein- und ausfließen kann.
Grenzen gibt es ebenfalls. Die Feuerverzinkung verhält sich nach Angaben des Instituts in einem pH-Bereich von etwa 5,5 bis 12,5 stabil. Atmosphärisch wird sie üblicherweise bis 200 °C eingesetzt.
Wie dick ist die Zinkschicht?
DIN EN ISO 1461 legt Mindestschichtdicken abhängig von der Materialdicke fest. Für Stahlteile gelten folgende mittlere Mindestwerte:
| Materialdicke Stahl | Mittlere Mindestschichtdicke |
|---|---|
| über 6 mm | 85 µm |
| über 3 mm bis 6 mm | 70 µm |
| 1,5 mm bis 3 mm | 55 µm |
| unter 1,5 mm | 45 µm |
In der Praxis liegen die Schichtdicken oft über diesen Werten. Die Norm regelt auch Fehlstellen: Unverzinkte Stellen dürfen insgesamt höchstens 0,5 % der Bauteiloberfläche ausmachen, eine einzelne Fehlstelle höchstens 10 cm². Ausbesserungen müssen mindestens 100 µm dick sein. Die Sichtprüfung erfolgt mit bloßem Auge aus mehr als 1 m Abstand. Besondere Anforderungen an das Aussehen sind vorab zu vereinbaren, denn der Hauptzweck ist der Korrosionsschutz.
Wie lange schützt eine Feuerverzinkung?
Die Schutzdauer ergibt sich aus der Zinkschichtdicke und dem jährlichen Zinkabtrag. Der Abtrag hängt von der Umgebung ab, die in Korrosivitätskategorien eingeteilt wird. Eine Arbeitshilfe von bauforumstahl nennt dazu folgende Spannen:
| Kategorie | Korrosionsbelastung | Zinkabtrag pro Jahr |
|---|---|---|
| C2 | gering | über 0,1 bis 0,7 µm |
| C3 | mäßig | über 0,7 bis 2,1 µm |
| C4 | stark | über 2,1 bis 4,2 µm |
| C5 | sehr stark | über 4,2 bis 8,4 µm |
Rechenbeispiel: Eine Zinkschicht von 85 µm hält bei einem Abtrag von 2,1 µm pro Jahr, also am oberen Ende von C3, rechnerisch rund 40 Jahre. Bei geringerem Abtrag entsprechend länger. Das Institut Feuerverzinken nennt nach DIN EN ISO 14713 als Beispiel für 140 µm in C3 eine Schutzdauer von mindestens 67 und bis über 100 Jahre. Örtliche Einflüsse wie lange Feuchtephasen, Ablagerungen oder Streusalz können den Abtrag deutlich erhöhen. Bauteile, die schnell abtrocknen, halten länger.
Worauf muss man bei der Konstruktion achten?
Ob eine Feuerverzinkung gelingt, entscheidet sich schon bei der Planung. Die Arbeitsblätter des Instituts Feuerverzinken nennen unter anderem:
- Hohlprofile öffnen: Rohre und Kästen brauchen ausreichend große Ein-, Auslauf- und Entlüftungsöffnungen. Geschlossene Hohlräume können im Zinkbad gefährlich explodieren. Als Beispiel nennt das Arbeitsblatt C6 für ein Rechteckrohr 60 x 40 mm je Ende eine Öffnung von mindestens 16 mm Durchmesser.
- Überlappungen: kleine Überlappungen bis etwa 100 cm² ringsum dicht verschweißen, größere mit Entlastungsbohrungen versehen.
- Wanddicken: Das Verhältnis von dünnster zu dickster Wand sollte 1:5 nicht überschreiten.
- Verzug: Stahl dehnt sich bis zur Badtemperatur um etwa 5 mm je Meter. Große Bauteile besser in verschraubte Abschnitte teilen.
- Badgröße und Gewicht: Die Bäder sind begrenzt, als Beispiele nennt das Institut 19,5 x 1,8 x 3,2 m und 9,8 x 2,2 x 3,1 m. Nur wenige Betriebe heben mehr als 10 t. Sondermaße früh abstimmen.
- Aufhängepunkte: Bohrungen oder Ösen zum Einhängen vorsehen.
Wie sich diese Punkte an einem Geländer umsetzen lassen, zeigt der Beitrag Stahlgeländer aus Flachstahl. Nach Angaben des Instituts ist in der Regel das verzinkte Gewicht die Grundlage für den Preis. Wovon der Preis abhängt, erklärt Feuerverzinken: wovon der Preis pro Kilogramm abhängt.
Wann ist zusätzlich eine Beschichtung sinnvoll?
Eine Feuerverzinkung braucht keinen Anstrich, um zu schützen. Eine zusätzliche Pulver- oder Nassbeschichtung ist sinnvoll, wenn eine bestimmte Farbe gewünscht ist oder die Belastung besonders hoch ist. Diese Kombination heißt Duplex-System. Mehr dazu im Beitrag Duplex-Beschichtung: Verzinken plus Pulverbeschichtung.
Häufige Fragen
Wie heiß ist das Zinkbad beim Feuerverzinken?
Meist 440 bis 460 °C. In Sonderfällen wird bei über 530 °C verzinkt, das sogenannte Hochtemperaturverzinken.
Was passiert, wenn die Zinkschicht verkratzt wird?
Bei kleinen Schadstellen bis etwa 2 mm Breite schützt das umgebende Zink den Stahl kathodisch. Größere Schäden sollten fachgerecht ausgebessert werden, zum Beispiel mit Zinkstaubbeschichtung oder thermischem Spritzverzinken.
Werden Rohre beim Feuerverzinken auch innen geschützt?
Ja, wenn die Öffnungen groß genug sind und das Zink ungehindert ein- und ausfließen kann. Deshalb sind Bohrungen an Hohlprofilen Pflicht.
Muss feuerverzinkter Stahl gestrichen werden?
Nein. Eine Beschichtung ist nur für Farbe oder zusätzliche Schutzdauer nötig. Sie sollte dann auf den Zinküberzug abgestimmt sein.
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Quellen
- Institut Feuerverzinken: Arbeitsblatt A2 Verfahrensablauf beim Stückverzinken
- Institut Feuerverzinken: Arbeitsblatt A3 Eigenschaften der Feuerverzinkung
- Institut Feuerverzinken: Arbeitsblatt F2 DIN EN ISO 1461
- Institut Feuerverzinken: Arbeitsblatt F3 DIN EN ISO 14713
- bauforumstahl: Arbeitshilfe 1.4 Feuerverzinken
- Institut Feuerverzinken: Arbeitsblatt C1 Allgemeine Konstruktionsanforderungen
- Institut Feuerverzinken: Arbeitsblatt C6 Vorgaben für Entlüftungsöffnungen
- Datenblatt Stückverzinken nach EN ISO 1461:2022, Tabelle 3 Mindestschichtdicken
Stand: 03.11.2026




