Kurz gesagt: Ein Doppelflügeltor braucht vor oder hinter der Einfahrt Platz zum Aufschwenken, ein Schiebetor braucht seitlich neben der Einfahrt Platz für den Flügel. Bei steigender Einfahrt, wenig Tiefe auf dem Grundstück oder viel Wind ist das Schiebetor meist im Vorteil. Ein Doppelflügeltor passt gut, wenn seitlich wenig Raum ist, die Einfahrt eben ist und eine klassische Torgestaltung gewünscht wird.
Was unterscheidet die beiden Bauarten grundsätzlich?
Beim Doppelflügeltor (zweiflügeliges Drehtor) hängen zwei Flügel an Bändern an Pfosten oder Mauer und schwenken nach innen oder außen auf. In der Mitte treffen sie an einem Auflaufkloben zusammen. Der Standflügel wird mit einem Riegel festgestellt, am Gehflügel sitzt das Schloss.
Beim Schiebetor bewegt sich ein Flügel seitlich in der Torebene. Er läuft entweder auf einer Bodenschiene oder freitragend auf Rollenapparaten neben der Durchfahrt. Weil der Flügel in seiner Ebene bleibt, braucht er keinen Schwenkbereich. Details zu den beiden Schiebetor-Varianten stehen im Ratgeber Schiebetor freitragend oder mit Bodenschiene.
Wie viel Platz braucht welches Tor?
Das Doppelflügeltor braucht einen freien Schwenkbereich, dessen Tiefe etwa der Flügelbreite entspricht. In diesem Bereich dürfen keine Fahrzeuge parken, keine Pflanzkübel stehen und kein Gefälle ansteigen. Bei einer breiten Einfahrt teilt sich die Breite auf zwei Flügel auf, jeder Flügel braucht also nur etwa die halbe Durchfahrtsbreite als Schwenktiefe.
Das Schiebetor braucht keinen Platz in der Tiefe, aber seitlich eine Ablaufstrecke von mindestens der Flügellänge. Beim freitragenden Tor ist der Flügel länger als die Durchfahrt, weil ein Gegengewichtsteil hinzukommt.
Wird ein Drehflügeltor angetrieben, kommt ein Sicherheitsmaß hinzu: Nach ASR A1.7 muss hinter einem kraftbetätigten Dreh- oder Faltflügel in maximaler Öffnungsstellung eine lichte Weite von mindestens 500 mm bleiben. Ist der Bereich höchstens 250 mm tief, genügen 200 mm. Wird das nicht erreicht, sind weitere Schutzmaßnahmen nötig. Für Betriebsgelände gilt außerdem: Geöffnete Tore dürfen die Mindestbreite vorbeiführender Verkehrswege nicht einengen.
Was tun bei steigender oder fallender Einfahrt?
Steigt die Einfahrt zum Tor hin an, würde ein normal angeschlagener Drehflügel beim Öffnen am Boden aufsetzen. BauNetz Wissen beschreibt als Lösung gekröpfte Bänder mit möglichst geringer Bauhöhe. Achsen und Drehpunkte werden so angeordnet, dass sich der Flügel beim Öffnen anhebt und die Torebene dennoch senkrecht bleibt. Weil Steigung, Flügelbreite und Schwenkbereich jedes Mal anders sind, müssen diese Bänder meist individuell angefertigt werden; fertige Systeme bietet der Handel nur in Ausnahmen an. Für die Planung braucht der Metallbauer den Steigungswinkel, die Flügelbreite, die Flügelhöhe und den Bandabstand.
Ein Torachsenantrieb im Boden ist laut BauNetz Wissen für Tore mit steigender Einfahrt nicht geeignet. Das Schiebetor umgeht das Problem: Es fährt quer zur Fahrtrichtung, ein Gefälle vor oder hinter dem Tor beeinflusst seine Laufbahn nicht. Bei Gefälle entlang der Laufbahn halten Gegengewichte oder selbsthemmende Getriebemotoren den Flügel in jeder Position.
Wie verhalten sich die Tore bei Wind, Schnee und Schmutz?
Drehflügel bieten dem Wind eine große Angriffsfläche, besonders wenn sie geschlossen ausgefacht sind. Jede Öffnungsstellung braucht deshalb eine Feststelleinrichtung, und ein geöffneter Flügel darf nicht unbeabsichtigt zufallen. Bei Winddruck oder Windsog kann sich der Flügel durchbiegen, der Riegel muss ihn dann noch halten. Die ASR A1.7 verlangt für Tore an Arbeitsstätten selbsttätig wirkende Endstellungseinrichtungen, die ungewolltes Zuschlagen, etwa durch Wind, verhindern.
Im Winter kann Schnee im Schwenkbereich ein Drehtor blockieren. Beim Schiebetor auf Bodenschiene muss die Schiene frei bleiben; freitragende Schiebetore werden laut BauNetz Wissen durch Eis, Schnee, Steine und Schmutz nicht behindert.
Welche Beschläge und Antriebe kommen infrage?
Bei Drehflügeltoren tragen die Bänder die Last im täglichen Gebrauch. Ihre Tragfähigkeit muss auf das Flügelgewicht abgestimmt sein. Üblich sind nichtrostende Bänder mit Kugellager, für schwere Tore Schwerlastbänder. Angeschlagen wird mit zwei- oder dreiteiligen Bändern, Pfanne und Halseisen, Zapfenbändern oder Anschweißbändern. Als Antrieb kommen Gelenkarm- oder Torachsenantriebe infrage.
Schiebetore brauchen eine Sicherung gegen Ausheben und Herausfallen sowie in jeder Offenstellung eine Haltevorrichtung. Das Schloss benötigt eine hebende Falle. Welche Sicherheitstechnik ein motorisiertes Tor braucht, beschreibt der Ratgeber Elektrisches Einfahrtstor: Antriebe und Sicherheit.
Doppelflügeltor und Schiebetor im direkten Vergleich
| Kriterium | Doppelflügeltor | Schiebetor |
|---|---|---|
| Platzbedarf | Schwenkbereich in der Tiefe | Ablaufstrecke seitlich |
| Steigende Einfahrt | nur mit gekröpften Sonderbändern | unproblematisch |
| Windempfindlichkeit | höher, Feststeller nötig | geringer, Flügel bleibt in der Ebene |
| Schnee im Bewegungsbereich | kann Flügel blockieren | bei Bodenschiene kritisch, freitragend unkritisch |
| Gestaltung | klassisch, symmetrisch | durchgehende Fläche |
| Antrieb | zwei Antriebe (je Flügel) | ein Antrieb |
Checkliste für Ihre Entscheidung
- Lichte Durchfahrtsbreite und benötigte Höhe festlegen.
- Platz seitlich neben der Einfahrt messen, einschließlich Hindernissen.
- Tiefe für den Schwenkbereich innen und außen prüfen.
- Steigung oder Gefälle der Einfahrt aufmessen.
- Öffnungsrichtung klären: Flügel dürfen nicht in Gehweg oder Straße schwenken.
- Windlage einschätzen: freie Lage, Ecke, Ausfachung geschlossen oder offen.
- Jetzt oder später Antrieb? Dann Leerrohre und Fundamente gleich mit planen.
- Örtliche Vorgaben zu Einfriedungen bei Gemeinde oder Bauaufsicht abfragen.
Häufige Fragen
Darf ein Einfahrtstor zur Straße hin aufschlagen?
Das regeln Landesrecht und örtliche Vorgaben. In der Praxis wird meist verlangt, dass Flügel nicht in den öffentlichen Verkehrsraum schwenken. Klären Sie das mit der Gemeinde oder der Bauaufsicht.
Welches Tor ist günstiger?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Kostentreiber sind beim Doppelflügeltor zwei Flügel, Bänder und gegebenenfalls zwei Antriebe, beim Schiebetor das Laufwerk, die Schiene oder der Gegengewichtsteil und die Gründung.
Funktioniert ein Doppelflügeltor an einer steigenden Einfahrt?
Ja, mit gekröpften Bändern, die den Flügel beim Öffnen anheben. Sie werden laut BauNetz Wissen meist individuell angefertigt. Ein Torachsenantrieb im Boden ist dafür nicht geeignet.
Kann ich ein Flügeltor einseitig öffnen?
Ja, das ist ein Vorteil des Doppelflügeltors: Der Gehflügel lässt sich allein öffnen, der Standflügel bleibt per Riegel festgestellt.
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Quellen
- BauNetz Wissen: Schiebetorbeschläge
- BauNetz Wissen: Schiebetorbeschläge für freitragende Konstruktionen
- BauNetz Wissen: Drehflügeltorbeschläge
- BauNetz Wissen: Drehflügeltorbeschläge für steigende Einfahrten
- BauNetz Wissen: Drehflügeltore, Antriebsarten
- ASR A1.7 Türen und Tore, Nr. 4 Planung von Türen und Toren (BGN-Vorschriftenportal)
- ASR A1.7 Türen und Tore, Nr. 6 Sicherung gegen mechanische Gefährdungen (BGN-Vorschriftenportal)
- ASR A1.7 Türen und Tore, Nr. 7 Sicherung der Flügelbewegung (BGN-Vorschriftenportal)
Stand: 03.11.2026




