Kurz gesagt: Ein freitragendes Schiebetor schwebt über der Durchfahrt und wird nur seitlich auf Rollenapparaten geführt, ein Tor mit Bodenschiene rollt dagegen über die ganze Durchfahrt auf einer Schiene im Boden. Freitragende Tore sind unempfindlich gegen Schnee, Eis, Steine und Schmutz, brauchen aber seitlich mehr Ablaufstrecke. Tore auf Bodenschiene sind konstruktiv einfacher, verlangen jedoch eine dauerhaft saubere, ebene Laufbahn.

Wie funktioniert ein freitragendes Schiebetor?

Beim freitragenden Schiebetor wirkt der Torflügel im geschlossenen Zustand wie ein Kragarm. An der Unterkante des Flügels sitzt eine Laufschiene, die auf zwei im Boden verankerten Rollenapparaten läuft. Diese stehen neben der Durchfahrt, nicht in ihr. Ein Auflaufstück am Schienenende dient als Endkappe, ein Schienenstopper begrenzt die Bewegung beim Schließen. Hinzu kommen Fangstück und Führungsrolle, auf Wunsch auch ein Antrieb.

Damit der Flügel frei über die Öffnung reichen kann, braucht er hinter der Durchfahrt einen Gegengewichts- oder Ausgleichsteil, der auf den Rollenapparaten liegt. Die Gesamtlänge des Flügels ist deshalb größer als die lichte Durchfahrt. Wie lang dieser Teil sein muss, hängt vom System, vom Flügelgewicht und von der Durchfahrtsbreite ab und ergibt sich aus den Angaben des Beschlagherstellers und der Statik.

Laut BauNetz Wissen werden freitragende Tore in Breiten von etwa 2 bis 11 m und Höhen von etwa 1 bis 2 m angeboten. Sie benötigen nur ein kleines Fundament im Bereich der Rollenapparate und gelten als wartungsarm.

Wie funktioniert ein Schiebetor mit Bodenschiene?

Beim untenlaufenden Schiebetor rollen Laufrollen am Flügel auf einer Schiene, die über die gesamte Durchfahrt und die Ablaufstrecke im Boden verlegt ist. Große Flügel werden zusätzlich an der Oberkante geführt, damit sie in der Spur bleiben. Diese Bauart wird laut BauNetz Wissen für lichte Öffnungen von etwa 2 bis 15 m und Höhen bis 2,50 m eingesetzt und ist bei Garten- und Hofeinfahrten verbreitet.

Der Flügel muss nicht als Kragarm wirken. Ein Gegengewichtsteil entfällt, die Ablaufstrecke neben der Öffnung entspricht ungefähr der Flügellänge. Im Gegenzug muss die Schiene auf ganzer Länge eben, tragfähig und frei von Schmutz, Laub, Splitt und Eis bleiben.

Welche Bauart passt zu welchem Grundstück?

Kriterium Freitragend Mit Bodenschiene
Boden in der Durchfahrt frei, keine Schiene Schiene über die ganze Breite
Schnee, Eis, Steine, Schmutz behindern den Lauf nicht können den Lauf blockieren, Reinigung nötig
Platz neben der Öffnung Flügellänge einschließlich Gegengewichtsteil etwa Flügellänge
Fundament kleines Fundament an den Rollenapparaten durchgehende, ebene Schienenauflage
Konstruktion des Flügels biegesteif als Kragarm ausgelegt auf Schiene abgestützt
Typischer Einsatz Gewerbe, Zufahrten mit Winterdienst, Schwerverkehr Wohngrundstücke mit befestigter Einfahrt

Für Einfahrten mit Lkw-Verkehr, Winterdienst oder viel Schmutzeintrag spricht vieles für die freitragende Bauart. Bei schmalen Grundstücken ohne Platz für einen Gegengewichtsteil kann eine Bodenschiene die praktikablere Lösung sein. Wenn auch ein Flügeltor infrage kommt, lohnt der Vergleich im Ratgeber Doppelflügeltor oder Schiebetor.

Was ist bei Fundament und Platzbedarf zu beachten?

  • Ablaufstrecke messen: Neben der Durchfahrt muss die volle Flügellänge Platz haben, bei freitragenden Toren einschließlich Gegengewichtsteil.
  • Hindernisse prüfen: Bäume, Mauervorsprünge, Briefkästen, Stellplätze und Gefälle im Ablaufbereich.
  • Gründung planen: Fundament für Rollenapparate oder Schiene nach Herstellerangaben und Statik, frostsicher und lagegenau.
  • Leitungen klären: Leerrohre für Antrieb, Lichtschranke und Klingel vor dem Betonieren einlegen.
  • Entwässerung beachten: Bei Bodenschienen darf sich kein Wasser in der Laufbahn sammeln.
  • Zaunanschluss planen: Der Flügel fährt entlang des Zauns, dort entstehen Quetsch- und Scherstellen (siehe unten).

Welche Sicherheitsregeln gelten für beide Bauarten?

Tore an Arbeitsstätten fallen unter die Arbeitsstättenverordnung. Nach deren Anhang Nr. 1.7 müssen Schiebetore gegen Ausheben und Herausfallen gesichert sein. Die Technische Regel ASR A1.7 konkretisiert das: Schiebetore dürfen nur betrieben werden, wenn ein seitliches Pendeln quer zur Bewegungsrichtung ausgeschlossen ist, und die Flügel müssen gegen unbeabsichtigtes Verlassen der Führung gesichert sein. Stopper und Anschläge müssen ausreichend fest sein.

Wo ein Schiebeflügel an festen, geschlossenen Bauteilen wie Mauer oder Zaun entlangfährt, verlangt ASR A1.7 bei kraftbetätigten Toren Sicherheitsabstände: mindestens 200 mm, wenn der Flügel höchstens 100 mm Abstand zum festen Bauteil hat, und mindestens 500 mm, wenn der Abstand größer ist. Einzugstellen gelten als entschärft, wenn der Spalt höchstens 8 mm beträgt. Im Wohnbereich gilt die Arbeitsstättenverordnung nicht unmittelbar, die Produktnormen für Tore (DIN EN 13241 und die zugehörigen Normen) gelten aber ausdrücklich auch für Tore an Wohngebäuden.

Wer das Tor mit Motor ausstatten will, findet die Anforderungen an Antrieb, Kraftbegrenzung und Lichtschranken im Ratgeber Elektrisches Einfahrtstor: Antriebe und Sicherheit.

Welche Fehler passieren bei der Planung häufig?

  • Die Ablaufstrecke wird nur für die lichte Durchfahrt bemessen, der Gegengewichtsteil des freitragenden Tores fehlt in der Planung.
  • Die Bodenschiene liegt in einer Senke und friert im Winter ein.
  • Ein freitragender Flügel wird zu leicht ausgelegt und hängt nach einigen Jahren durch.
  • Der Abstand zwischen Flügel und Zaun erzeugt eine ungesicherte Quetschstelle.
  • Leerrohre für einen späteren Antrieb werden vergessen.

Häufige Fragen

Ist ein freitragendes Schiebetor teurer als eines mit Bodenschiene?

Das hängt vom Einzelfall ab. Kostentreiber beim freitragenden Tor sind der längere, biegesteife Flügel mit Gegengewichtsteil und die Laufwerke, bei der Bodenschiene die durchgehende Gründung und Schiene. Verlässliche Preise ergeben sich nur aus einem Angebot für die konkrete Einfahrt.

Kann ein freitragendes Tor im Winter einfrieren?

Die Durchfahrt selbst ist frei, Schnee und Eis behindern den Lauf nach BauNetz Wissen nicht. Die Rollenapparate neben der Öffnung sollten dennoch frei von Schnee und Schmutz gehalten werden.

Brauche ich für ein Schiebetor eine Baugenehmigung?

Ob Tor und Einfriedung genehmigungsfrei sind, regelt die jeweilige Landesbauordnung und gegebenenfalls ein Bebauungsplan. Klären Sie das vorab mit der Bauaufsicht oder Ihrem Architekten.

Lässt sich ein Tor auf Bodenschiene später automatisieren?

In der Regel ja. Beim Nachrüsten müssen die Schutzmaßnahmen gegen Quetschen und Scheren erfüllt werden, die für kraftbetätigte Tore gelten. Das sollte ein Fachbetrieb vor Ort beurteilen.

Tore aus Stahl: RICHTER Metallbau

RICHTER Metallbau ist ein inhabergeführter Familienbetrieb aus Hagen a.T.W. bei Osnabrück, seit 1994 im Metallbau tätig und zertifiziert nach DIN EN 1090. Wir fertigen Einfahrtstore, Flügeltore und Schiebetore aus Stahl nach Maß und montieren sie vor Ort.

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Quellen

Stand: 03.11.2026