Kurz gesagt: Ein Vordach aus Stahl und Glas schützt den Hauseingang vor Regen, ohne den Eingang zu verdunkeln. Das Glas muss als Horizontalverglasung nach DIN 18008-2 ausgeführt werden, in der Regel als Verbund-Sicherheitsglas. Entscheidend für die Planung sind außerdem eine tragfähige Befestigung an der Fassade, die Entwässerung und die Abstandsregeln des jeweiligen Landesrechts.

Welche Bauarten gibt es für ein Vordach aus Stahl und Glas?

Ein Vordach kragt meist frei von der Fassade aus. Für die Lastabtragung haben sich mehrere Prinzipien bewährt:

Bauart Prinzip Hinweise
Vordach mit Zugstangen Stahlträger an der Wand, oben mit Zugstangen oder Seilen abgehängt Leichte Optik, braucht Befestigungspunkte oberhalb des Daches
Konsolen-Vordach Kragträger oder Schwerter aus Stahl tragen das Glas von unten Keine Abhängung nötig, Wandanschluss muss das Biegemoment aufnehmen
Vordach mit Stützen Vorderkante liegt auf einer oder zwei Stützen auf Für große Auskragungen oder schwierige Fassaden, braucht Fundamente
Vordach mit Seitenwand Kombination aus Dach und seitlichem Windschutz Schützt bei Schlagregen, Seitenwand braucht eigene Befestigung

Bei allen Bauarten wird die Stahlkonstruktion für den Außenbereich feuerverzinkt, auf Wunsch zusätzlich farbig beschichtet. Hintergründe dazu im Ratgeber Feuerverzinken: wie es funktioniert und wie lange es schützt.

Welches Glas ist für ein Vordach vorgeschrieben?

Glas, das mehr als 10° gegen die Vertikale geneigt ist, gilt als Horizontalverglasung und fällt unter DIN 18008-2. Ein Vordach ist fast immer so eine Verglasung. Die wichtigsten Regeln:

  • Verbund-Sicherheitsglas: Bei Einfachverglasung ist VSG aus Floatglas oder teilvorgespanntem Glas zu verwenden. VSG aus Einscheiben-Sicherheitsglas allein ist für Einfachverglasungen nach DIN 18008-2 nicht zulässig, weil ihm die Resttragfähigkeit fehlt.
  • Zwischenfolie: Die PVB-Folie muss mindestens 0,76 mm dick sein. Dünnere Folien mit 0,38 mm sind nur bei allseitiger Lagerung und höchstens 0,8 m Stützweite zulässig.
  • Lagerung: VSG mit mehr als 1,20 m Stützweite muss allseitig gelagert werden.
  • Freie Ränder: Ein Glasrand darf höchstens 30 % der Auflagerlänge und maximal 300 mm über die linienförmige Lagerung hinausragen.

Erfüllt eine Konstruktion diese Randbedingungen nicht, etwa bei ungewöhnlichen Halterungen, können Versuche zur Resttragfähigkeit erforderlich werden. Das verlängert Planung und Kosten. Die Bemessung erfolgt nach DIN 18008-1 für Eigengewicht, Schnee und Wind.

Wie wird das Vordach an der Fassade befestigt?

Ein frei auskragendes Vordach erzeugt an der Wand nicht nur Gewicht, sondern auch ein Biegemoment. Die oberen Befestigungspunkte werden auf Zug beansprucht, die unteren auf Druck. Bei Windsog kann sich die Lastrichtung umkehren. Deshalb kommt es auf den Wandaufbau an:

  • Massives Mauerwerk oder Beton: In der Regel gut geeignet. Lochsteine brauchen passende Dübel.
  • Wärmedämmverbundsystem: Die Dämmung kann keine Lasten tragen. Nötig sind Befestigungen, die durch die Dämmung hindurch im tragenden Untergrund verankert werden.
  • Verblendmauerwerk: Die Vormauerschale ist oft nicht als tragender Untergrund geeignet, die Lasten gehören in die Hintermauerung.

Welche Dübel und Anker zulässig sind, legt die Statik fest. Bei Neubauten lassen sich Anschlussplatten schon im Rohbau vorsehen.

Wie groß sollte ein Vordach sein?

Für die Größe eines Vordachs am Wohnhaus gibt es keine feste Norm. Praktische Kriterien sind:

  • Das Dach sollte seitlich über die Türöffnung hinausgehen, damit beim Aufschließen niemand im Regen steht.
  • Die Auskragung sollte den Bereich vor der Tür einschließlich Klingel und Briefkasten abdecken.
  • Die Durchgangshöhe muss zur Tür, zu Fenstern darüber und zur Fassadengliederung passen.
  • Bei Schlagregen aus Westen hilft eine Seitenwand mehr als eine größere Tiefe.

Je größer die Auskragung, desto größer werden Glasdicke, Profile und Wandlasten. Da VSG mit mehr als 1,20 m Stützweite nach DIN 18008-2 allseitig gelagert sein muss, brauchen große Vordächer meist zusätzliche Auflager oder eine Teilung in mehrere Glasfelder.

Wie wird das Regenwasser abgeleitet?

Ein Glasvordach braucht Gefälle, damit Wasser und Schmutz ablaufen. Üblich ist ein leichtes Gefälle von der Wand weg. Ohne Rinne tropft das Wasser an der Vorderkante ab, was vor einer Haustür unpraktisch ist. Alternativen sind eine schmale Rinne mit Fallrohr an der Fassade oder ein Gefälle zur Seite. Planen Sie die Entwässerung mit, damit kein Wasser auf Stufen oder Eingangspodest gelangt.

Braucht ein Vordach eine Baugenehmigung?

Das richtet sich nach Landesrecht:

  • Nordrhein-Westfalen: § 62 Abs. 1 Satz 1 Nr. 15 Buchstabe f BauO NRW nennt Hauseingangsüberdachungen ausdrücklich als unbedeutende Anlagen, die verfahrensfrei sind. Bei der Bemessung der Abstandsflächen bleiben Vorbauten außer Betracht, wenn sie nicht mehr als ein Drittel der Wandbreite einnehmen, nicht mehr als 1,60 m vortreten und mindestens 2 m von der Nachbargrenze entfernt bleiben (§ 6 Abs. 6 BauO NRW).
  • Niedersachsen: Der Anhang zu § 60 NBauO nennt Vordächer nicht ausdrücklich. Nach § 5 Abs. 3 Nr. 2 NBauO dürfen Eingangsüberdachungen den Grenzabstand um nicht mehr als 1,50 m, höchstens jedoch um ein Drittel, unterschreiten, wenn die vortretenden Gebäudeteile insgesamt nicht mehr als ein Drittel der Wandbreite einnehmen.

Zusätzlich können Gestaltungssatzungen, Bebauungspläne und der Denkmalschutz Vorgaben machen. Klären Sie das konkrete Vorhaben mit Ihrem Architekten oder der Bauaufsicht. Diese Hinweise sind keine Rechtsberatung. Für größere Überdachungen an der Terrasse gelten eigene Regeln, siehe Terrassenüberdachung aus Stahl oder Aluminium?.

Typische Fehler

  • Glas ohne Prüfung der DIN 18008-2 bestellt, etwa VSG nur aus ESG.
  • Vordach in die Dämmung gedübelt statt in den tragenden Untergrund.
  • Keine Entwässerung, Wasser tropft auf die Eingangsstufe.
  • Abstände zu Nachbargrenze oder Gehweg nicht geprüft.

Häufige Fragen

Darf ich für ein Vordach Einscheiben-Sicherheitsglas verwenden?

Als alleinige Einfachverglasung nicht. DIN 18008-2 verlangt bei Einfachverglasung Verbund-Sicherheitsglas aus Floatglas oder teilvorgespanntem Glas, weil VSG aus ESG keine ausreichende Resttragfähigkeit hat.

Kann ein Vordach an einer gedämmten Fassade montiert werden?

Ja, wenn die Befestigung durch die Dämmung bis in den tragenden Untergrund reicht. Welche Anker geeignet sind, ergibt sich aus der Statik und dem Wandaufbau.

Muss Schnee bei einem kleinen Vordach berücksichtigt werden?

Ja. Glas und Konstruktion werden nach DIN 18008-1 für Eigengewicht, Wind und Schnee bemessen, auch bei kleinen Flächen.

Wie oft muss ein Glasvordach gereinigt werden?

Das hängt von Standort, Bäumen und Gefälle ab. Ein ausreichendes Gefälle und eine gut erreichbare Oberseite erleichtern die Reinigung.

Überdachungen aus Stahl: RICHTER Metallbau

RICHTER Metallbau ist ein inhabergeführter Familienbetrieb aus Hagen a.T.W. bei Osnabrück, seit 1994 im Metallbau tätig und zertifiziert nach DIN EN 1090. Wir fertigen Vordächer, Terrassenüberdachungen, Carports und Überdachungen für Gewerbe aus Stahl nach Maß und montieren sie vor Ort.

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Quellen

Stand: 03.11.2026